Gesundheit heute

Medikamente gegen Demenz (Antidementiva)

Antidementiva sollen die gestörte Hirnleistung verbessern und die sprachlichen und lebenspraktischen Fähigkeiten sowie das Verhalten des Patienten günstig beeinflussen. In Deutschland erhalten jedoch nur 10–20 Prozent der Alzheimer-Patienten Antidementiva. Diese Therapiemöglichkeit sollte nach Meinungen von Experten mehr ausgeschöpft werden: selbst, wenn sich dadurch das Krankheitsbild nur etwas bessert, erleichtert das doch den Alltag der Patienten und Angehörigen.

Acetylcholinesterasehemmer. Durch den Nervenzellenuntergang entsteht bei der Alzheimer-Demenz ein Mangel des Botenstoffes Acetylcholin im Gehirn. Acetylcholinesterasehemmer (AChE-Hemmer) vermindern den Acetylcholinabbau und erhöhen so die Acetylcholinkonzentration. In Deutschland zugelassen sind Donepezil (z. B. Aricept®), Galantamin (z. B. Reminyl®) und Rivastigmin (z. B. Exelon®). Galantamin und Rivastigmin werden nur bei leichten bis mittelschweren Formen eingesetzt. Donepezil soll sich zusätzlich auch zur Behandlung im schweren Stadium eignen. Die Wirksamkeit der Acetylcholinesterasehemmer bei Alzheimer-Demenz wird von der Fachwelt überwiegend bejaht, vor allem zur Stärkung des Erinnerungsvermögens, wobei alle Substanzen als gleichwertig anzusehen sind. Zu viel erhoffen darf man sich nicht:

  • Zum einen wirken Acetylcholinesterasehemmer aus bislang ungeklärten Gründen nicht bei jedem Kranken. Und selbst wenn sie wirken, ist dies aus bisher nicht bekannten Gründen auf Wochen bis Monate begrenzt. Im besten Falle vermögen Acetylcholinesterasehemmer den Zustand des Betroffenen für etwa ein Jahr zu stabilisieren.
  • Zum anderen haben die Acetylcholinesterasehemmer häufig Nebenwirkungen, vor allem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, aber auch Herzrhythmusstörungen, Schlaflosigkeit und Erregungszustände. Deshalb wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese dann über mindestens einen Monat langsam gesteigert.

Zeigt sich drei Monate nach Erreichen der Höchstdosis keine Wirkung, wird das Medikament wieder abgesetzt. Ob Acetylcholinesterasehemmer bei einer vaskulären Demenz helfen, ist umstritten.

Memantin (z. B. Axura®, Ebixa®) beeinflusst den Glutamatstoffwechsel im Gehirn und den Kalziumeinstrom in die Nervenzellen. Die prinzipiellen Überlegungen zum Einsatz von Memantin entsprechen im Wesentlichen denen bei Acetylcholinesterasehemmern, wobei Studien bisher nur eine allenfalls schwache Wirkung bescheinigen. Im Gegensatz zu Acetylcholinesterasehemmern ist Memantin nur zur Behandlung der moderaten bis schweren Demenz zugelassen, nicht jedoch bei leichten Formen. Neueste Forschungsergebnisse lassen allerdings den Schluss zu, dass sich Memantin besonders bei moderater Alzheimer-Demenz günstig auf Orientierung und Sprachverständnis der Patienten auswirkt. Selbst bei schwerem Morbus Alzheimer ist Memantin in der Lage, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen und Gedächtnisleistungen zu verbessern. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schwindel, Unruhe und Erregungszustände. Die Kombination von Acetylcholinesterasehemmern und Memantin wird nicht empfohlen, da nach aktueller Studienlage kein Zusatznutzen gegenüber einer Monotherapie mit Acetylcholinesterasehemmern besteht.

Nimodipin (z. B. Nimotop®) soll den gestörten Kalziumhaushalt der Nervenzellen günstig beeinflussen. Angesichts der belegten Wirksamkeit von Memantin erscheint dieser Wirkmechanismus zwar logisch, eine Wirkung ist aber bislang nicht belegt.

Dihydroergotoxin (z. B. Hydergin®) und Piracetam (z. B. Nootrop®, Normabrain®) sind zwar lange bekannt, aber nach aktueller Studienlage nutzlos.

Klassiker unter den Phytotherapeutika sind Gingko-Präparate. Eine Behandlung mit Ginkgo biloba (Spezialextrakt EGb 761) kann bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz erwogen werden. Höhere Dosierungen ab 240 mg täglich scheinen sich bei leichten und mittelgradigen Demenzen günstig auf die Fähigkeit auszuwirken, den Alltag zu bewältigen. In der Prävention einer Demenz scheint Gingko biloba hingegen nach aktuellem Wissensstand keinen Effekt zu haben.

Insgesamt ist das medikamentöse Therapieangebot für die Demenz unbefriedigend.

Von: dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Frühwarnzeichen für MS bei Teenagern

Vor allem Doppelbilder und Probleme beim Fokussieren können bei jungen Patient*innen auf eine Multiple Sklerose hinweisen.

Frühwarnzeichen für MS bei Teenagern

Haut und Augen betroffen

Die Multiple Sklerose beginnt gar nicht so selten schon im Teenageralter. Je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Behandlungserfolge. Vorboten können auf die Entwicklung der Erkrankung hinweisen.

13500 Neu-Erkrankte pro Jahr

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Dabei zerstört das körpereigene Immunsystem die schützenden Myelinscheiden der Nervenfasern. Die Erkrankung verläuft in Schüben und kann langfristig zu Lähmungen führen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 13500 Menschen neu an einer MS, 10% davon in einem Alter unter 18 Jahren.

Es gibt Hinweise, dass Betroffene schon vor dem Ausbruch der Erkrankung unspezifische Zeichen dafür aufweisen. Ob dies auch für Kinder gilt, haben nun Forschende vom Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung untersucht. Dazu analysierten sie die Daten von über 1000 Kindern und Jugendlichen mit MS-Diagnose. Als Vergleich dienten gesunde Kinder und Jugendliche und solche mit einer juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA), einer anderen Autoimmunerkrankung.

Missempfindungen und Sehstörungen

Fast drei Viertel der MS-Betroffenen war weiblich, das Durchschnittsalter bei Diagnose lag bei 15,7 Jahren. Drei Symptome waren bei Kindern und Jugendlichen mit MS deutlich häufiger als bei den Gesunden und den JIA-Erkrankten:

  • Missempfindungen auf der Haut
  • Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen
  • Störung der Refraktion und Akkomodation, d.h. Probleme beim Fokussieren (Scharfstellen) von Objekten.

Sehstörungen und Gefühlsstörungen an der Haut sollten bei Kindern immer ernst genommen werden, da sie Vorboten einer MS sein können. Dies gilt insbesondere, wenn sie mit unerklärlicher Müdigkeit und Schwäche oder klinisch typischen MS-Beschwerden einhergehen wie Muskelschmerzen, Knochen- und Gelenkschmerzen.

Quelle: SpringerMedizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Clique Images