Gesundheit heute
Herzklappenprothesen
Die Entwicklung von mechanischen und biologischen Herzklappenprothesen hat die Behandlungsmöglichkeiten erheblich verbessert:
- Mechanische Herzklappenprothesen bestehen aus künstlichen Materialien, meist aus Kunststoff. Sie imitieren die Klappenfunktion durch Doppelflügel, Kippscheiben oder Kugelventile. Diese Klappen halten praktisch lebenslang. Sie haben aber den Nachteil, dass dauerhaft eine Gerinnungshemmung (z. B. mit Marcumar®) notwendig ist, weil sich sonst an den künstlichen Materialien Blutgerinnsel bilden. Oft nimmt der Patient die Bewegung der Kunstklappe als klickendes Geräusch wahr.
- Biologische Herzklappenprothesen werden aus Schweine- oder Rindergewebe gefertigt. Sehr begrenzt stehen auch gespendete menschliche Herzklappen zur Verfügung. Ihr großer Vorteil ist, dass eine dauerhafte Gerinnungshemmung überflüssig ist. Dafür halten sie nur etwa 10–15 Jahre.
Es gilt also abzuwägen, was vorteilhafter ist: Entweder steht die Vermeidung einer schwerwiegenden Blutung oder die möglichst lange Haltbarkeit der Klappenprothese im Vordergrund. Was der Arzt letztlich empfiehlt, hängt von Begleiterkrankungen, Lebensalter, Lebensqualität, aber auch den Hobbys und beruflichen Interessen der Patienten ab.
Senior*innen bekommen zu oft Medikamente verschrieben, die für ihre Person nicht geeignet sind.
Alte Menschen oft falsch therapiert
Zu wenig oder zu viele Medikamente
Eine aktuelle Gesundheitsstudie zeichnet ein alarmierendes Bild: Viele ältere Menschen in Deutschland erhalten Medikamente, die ihnen eher schaden als nutzen könnten – gleichzeitig bleibt eine notwendige Behandlung bei schweren Erkrankungen oft aus.
Zu viel ASS oder Magenschutz
Die Arzneimittelversorgung älterer Menschen ist problematisch, wie eine Analyse der deutschen NAKO-Gesundheitsstudie des DKFZ Heidelberg zeigt. Untersucht wurden Daten von 54.296 Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren aus 18 Studienzentren in Deutschland. Das Ergebnis: 26 Prozent der Senior*innen erhielten in der Woche vor der Erhebung mindestens ein potenziell ungeeignetes Medikament.
Häufige Beispiele für Übergebrauch waren niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) ohne klare Diagnose, Protonenpumpenhemmer ohne dokumentierte Notwendigkeit sowie menopausale Hormontherapien.
Wechselwirkungen nicht beachtet
Besonders oft betroffen waren Patient*innen mit Parkinson, Epilepsie und Depressionen. Bei Parkinson war das Risiko für eine unangemessene Medikation 16-fach erhöht, bei Epilepsie 4,3-fach und bei Depressionen 2,1-fach. Meist handelte es sich um komplexe Therapien mit Medikamenten, bei denen Wechselwirkungen und Langzeittherapien eine Rolle spielen.
Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind relevant: Bei Bluthochdruck war das Risiko für unangemessene Medikamente 4,5-ach erhöht. Auch hier wurden Kombinationen eingesetzt, die für ältere Menschen als kritisch eingestuft werden.
Gefährliche Unterversorgung
Neben der Überversorgung wies die Studie auch auf Unterversorgungen hin: Mehr als die Hälfte der Menschen mit Osteoporose erhielt keine adäquate Therapie, ebenso bestanden Defizite bei Vorhofflimmern und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. Im Fall der Osteoporose ist dies besonders kritisch, da unbehandelte Fälle das Risiko für Hüftfrakturen deutlich steigern. Beim Vorhofflimmern werden ohne ausreichende Antikoagulation Schlaganfälle begünstigt.
Auf dem Land noch ausgeprägter
Besonders auffällig war die regionale Verteilung: In Großstädten wie Hamburg traten deutlich weniger problematische Verschreibungen auf als in ländlichen Regionen. Als mögliche Gründe nennt die Arbeitsgruppe eine höhere Arztdichte sowie einen höheren sozioökonomischer Status. In ländlichen Regionen Ostdeutschlands, etwa in Neubrandenburg und Demmin, wurden dagegen besonders häufig unangemessene Verordnungen gefunden.
Zusätzlich identifizierte die Studie Einflussfaktoren wie niedriges Einkommen, Rauchen, Adipositas und Bewegungsmangel, die das Risiko für eine unangemessene Medikation erhöhen. Überraschend war auch, dass Alkoholabstinenz mit höheren Risiken assoziiert war, vermutlich aufgrund bestehender Vorerkrankungen.
Quelle: Ärztezeitung

