Gesundheit heute

Herzklappenprothesen

Die Entwicklung von mechanischen und biologischen Herzklappenprothesen hat die Behandlungsmöglichkeiten erheblich verbessert:

  • Mechanische Herzklappenprothesen bestehen aus künstlichen Materialien, meist aus Kunststoff. Sie imitieren die Klappenfunktion durch Doppelflügel, Kippscheiben oder Kugelventile. Diese Klappen halten praktisch lebenslang. Sie haben aber den Nachteil, dass dauerhaft eine Gerinnungshemmung (z. B. mit Marcumar®) notwendig ist, weil sich sonst an den künstlichen Materialien Blutgerinnsel bilden. Oft nimmt der Patient die Bewegung der Kunstklappe als klickendes Geräusch wahr.
  • Biologische Herzklappenprothesen werden aus Schweine- oder Rindergewebe gefertigt. Sehr begrenzt stehen auch gespendete menschliche Herzklappen zur Verfügung. Ihr großer Vorteil ist, dass eine dauerhafte Gerinnungshemmung überflüssig ist. Dafür halten sie nur etwa 10–15 Jahre.

Es gilt also abzuwägen, was vorteilhafter ist: Entweder steht die Vermeidung einer schwerwiegenden Blutung oder die möglichst lange Haltbarkeit der Klappenprothese im Vordergrund. Was der Arzt letztlich empfiehlt, hängt von Begleiterkrankungen, Lebensalter, Lebensqualität, aber auch den Hobbys und beruflichen Interessen der Patienten ab.

Von: Dr. med. Dieter Simon, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Kurz vorm Ziel am gefährlichsten

Der gefährlichste Streckenabschnitt beim Marathon ist der Kilometer vor dem Ziel.

Kurz vorm Ziel am gefährlichsten

Herzgefahr beim Marathon

Langstreckenläufe muten dem Herz-Kreislauf-System einiges zu. In seltenen Fällen kann es sogar zu einem Herzstillstand kommen. Männer trifft es dabei bevorzugt – womöglich aufgrund typisch männlicher Persönlichkeitsmerkmale.

17 Fälle von Herzstillstand

Ein Marathon kann für das Herz gefährlich werden. Wie gefährlich, haben französische Forschende anhand von Daten des Paris-Marathons der letzten Jahre untersucht. Zwischen 2011 und 2024 waren auf den verschiedenen Strecken etwa 1,2 Millionen Menschen mitgelaufen. 17 von ihnen hatten dabei einen plötzlichen Herzstillstand erlitten. Sieben Fälle ereigneten sich während des 20-km-Laufs, beim Halb- bzw. Vollmarathon war es jeweils zu fünf Herzstillständen gekommen.

Von den 17 Betroffenen waren 15 männlich und 2 weiblich. Das Durchschnittsalter betrug 42 Jahre. Zwei der Männer sind trotz Reanimationsmaßnahmen verstorben, 15 haben den Herzstillstand überlebt – genauso, wie die beiden betroffenen Frauen.

Höchste Gefahr kurz vorm Ziel

Bei der Analyse der Fälle stellte sich heraus, dass es beim Kurzmarathon und beim 20-Kilometer-Lauf am häufigsten auf dem letzten Kilometer zum Herzstillstand gekommen war. Berechnungen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis kurz vor dem Ziel gut 15 Mal höher als an irgendeinem anderen Punkt der Strecke.

Nach den Tempodaten hatten vor allem die Männer am Ende des Laufs noch einmal kräftig zugelegt. Das könnte bei einigen Betroffenen dazu geführt haben, dass ihr Herz-Kreislauf-System überfordert war.

Eigene Fähigkeiten überschätzt?

Eine erhöhte Risikobereitschaft und das Überschätzen der eigenen körperlichen Fähigkeiten sind Persönlichkeitsmerkmale, die sich bei Männern häufiger finden als bei Frauen. Womöglich ist dies eine der Ursachen, warum Männer bei Langstreckenlauf so viel gefährdeter sind für einen Herzstillstand als Frauen, meinen die Forscher*innen. In jedem Fall plädieren sie dafür, dass sich medizinische Teams bei einem Marathonlauf vor allem strategisch in der kritischen Zielzone positionieren.

Quelle: Springer Medizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Wolfgang Weinhäupl