Gesundheit heute
Herzschrittmacher-Therapie
Pro Jahr werden in Deutschland über 50 000 Herzschrittmacher (Pacemaker) implantiert. Die Betroffenen sind meist über 70 Jahre alt, nur rund 6 % sind jünger als 60. Am häufigsten machen Fehlfunktionen des Sinusknotens, Sick-Sinus-Syndrom, einen Herzschrittmacher nötig.
Seit 1960 können Schrittmacher die Funktion des Sinusknotens ersetzen. Das Gerät ist nur wenig größer als eine Streichholzschachtel. Der Schrittmacher wird in der Regel an der rechten Brustseite unterhalb des Schlüsselbeins in einer Hauttasche über dem Brustmuskel implantiert und ist so auch leicht durch die Haut hindurch zu tasten. Die Herzschrittmacher-Implantation wird meist in örtlicher Betäubung vorgenommen.
An den Herzschrittmacher sind Kabel angeschlossen, die Schrittmacherelektroden. Sie werden bei der Implantation unter der Haut hindurch in eine freigelegte Vene am Schlüsselbein eingebracht und in das rechte Herz vorgeschoben. Diese Elektroden verhaken sich mit ihrer Spitze im Herzmuskel. So erreichen die Impulse des Herzschrittmachers die Herzmuskelzellen und breiten sich von dort über das gesamte Herz aus.
Bei ungestörter Überleitung der Erregungswelle vom Vorhof auf die Kammer reicht bei Sinusknotenstillstand eine alleinige Stimulation im Vorhof aus, ein so genanntes Einkammer-Schrittmachersystem.
Ist zusätzlich der AV-Knoten in seiner Funktion gestört, wird ein Zweikammer-Schrittmachersystem erforderlich, um neben dem Vorhof über eine zweite Elektrode auch die Herzkammer zu stimulieren. Auch die alleinige Kammererregung durch den Herzschrittmacher ist möglich, wenn die Erregungswellen der Vorhöfe die Kammern nicht erreichen.
Das Innenleben: ein Mikroprozessor
Ein Herzschrittmacher muss nicht nur Impulse abgeben, sondern auch erkennen, ob das Herz eine Eigenaktion startet, und auf diese dann richtig reagieren. Denn nur dann, wenn die Kontraktionen von Herzvorhof und Herzkammer im richtigen zeitlichen Abstand erfolgen, gelingt ein wirksamer Herzschlag. Dies gewährleistet ein Mikroprozessor, mit dem heute jeder Schrittmacher ausgestattet ist und der individuell an die Bedürfnisse der Herzerkrankung angepasst wird.
Kontrollen. Die vielfältigen Programmiermöglichkeiten eines Herzschrittmachers erfordern eine individuelle Einstellung, die regelmäßig geprüft wird. Schrittmacher werden von außen durch die Haut unkompliziert abgefragt und neu programmiert. Kontrolluntersuchungen mit Prüfung des Batteriezustands und der Tauglichkeit der Schrittmacherelektroden finden alle 6–12 Monate statt. Alle 3–12 Jahre muss das gesamte Schrittmachergehäuse gewechselt werden, weil sich die Schrittmacherbatterie allmählich entleert. Alle Schrittmacherträger erhalten einen Ausweis, der alle wichtigen Daten enthält.
E-Biker lassen häufiger das Auto stehen und schwingen sich aufs Rad.
Auch E-Bike fahren macht fit
Von wegen gemütlich
E-Biken ist nur was für schlappe Faulenzer*innen? Von wegen: Das Radeln mit Elektromotor fordert Herz und Muskeln fast ebenso stark wie normales Radfahren.
Vorurteile sind unbegründet
Über E-Bike-Fahren wird sich gerne mokiert: Da sitzen die Damen und Herren auf ihrem Zweirad (auch Pedelec genannt), bewegen ein bisschen ihre Beine und lassen sich, sobald es anstrengend wird, vom Elektromotor pushen. Doch eine aktuelle Studie der Medizinischen Hochschule Hannover entkräftet diese Vorurteile.
Die Forscherenden befragten dazu 1250 E-Bike-Nutzer*innen und 629 herkömmliche Radelnde nicht nur zu ihren Fahrgewohnheiten und ihrem Gesundheitszustand. Sie analysierten auch ihre über 58 800 Fahrten, bei denen mit Trackern Geschwindigkeit und Herzfrequenz aufgezeichnet worden waren.
Herzfrequenz steigt ordentlich an
Das Ergebnis überraschte: Während des Radelns lag die Herzfrequenz der Pedelecfahrer*innen nur etwa 5 Schläge pro Minute unter der Herzfrequenz der Radelnden, die ausschließlich mit Muskelkraft fuhren. Das bedeutet, dass sich die Radelnden auf dem E-Bike fast genauso stark anstrengten wie diejenigen auf einem herkömmlichen Fahrrad.
E-Bike-Fahren zeigte einen weiteren großen Vorteil. Pedelecfahrer*innen lassen öfter das Auto stehen und radeln stattdessen. Zudem ist mit einer möglichen Motor-Unterstützung die Hemmschwelle geringer, sich auch bei hügeligen Strecken und Gegenwind aufs Rad zu setzen.
Zwei Drittel der WHO-Empfehlungen
In der Folge sind E-Bike-Fahrer*innen durchschnittlich 135 Minuten pro Woche unterwegs. Einen Großteil davon absolvieren sie mit einer gesundheitlich effektiven Belastung, erklären die Forschenden. Damit erreichen E-Biker*innen etwa zwei Drittel des von der WHO geforderten Bewegungsziels von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche.
Besonders betonen die Autor*innen, dass bei den untersuchten E-Bike-Fahrer*innen jede Dritte eine chronische Vorerkrankungen hatte. Dazu gehörten z.B. Arthrose, koronare Herzkrankheit und Myokardinfarkt oder Bluthochdruck. Gerade für diese Menschen ist das E-Bike ideal: Es hilft ihnen, wieder in Bewegung zu kommen – und dabei Spaß zu haben.
Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

