Gesundheit heute
Plötzlicher Kindstod
Plötzlicher Kindstod (sudden infant death syndrome, kurz SIDS, Krippentod): Meist während des Schlafes eintretender, plötzlicher und unvorhersehbarer Tod von Säuglingen oder Kleinkindern. Typischerweise werden die Kinder blass und leblos, manchmal auch mit blauen Lippen und blauen Flecken auf der Haut in ihrem Bettchen vorgefunden. Der plötzliche Kindstod ist die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr. 2019 sind daran 75 Jungen und 32 Mädchen verstorben, d. h., das Risiko beträgt etwa 0,016 %. Betroffen sind vor allem Babys im Alter von 2–6 Monaten, Jungen häufiger als Mädchen. Die Kinder sind meist völlig gesund, auch nach einer Obduktion lässt sich keine Ursache finden. Um das Risiko eines plötzlichen Kindstodes zu senken, helfen präventive Maßnahmen wie das Betten in der Rückenlage und der Verzicht auf Kissen oder große Bettdecken.
Wann in die Arztpraxis
Sofort einen Notruf absetzen (112),
- wenn ein Kind leblos im Bett liegt.
Hinweis: Im besten Fall führen Sie nach dem Absetzen des Notrufs sofort Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Diese gestalten sich bei Säuglingen schwierig. Deshalb ist es sinnvoll, als werdende Eltern einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kleinkinder zu absolvieren. Dort lernt man an Puppen, wie man ein Baby reanimiert.
Ursachen und Risikofaktoren
Was genau zum plötzlichen Kindstod führt ist trotz einer Unzahl verschiedener Theorien weiterhin ungeklärt. Viele Forscher*innen gehen von einer Atemstörung aus. Im Gehirn gibt es mehrere Gebiete, in denen Atmung und Herzschlag reguliert werden. Befindet sich im Blut zu wenig Sauerstoff oder zu viel Kohlendioxid, geben sie Alarm und regen die Atmung an – der Sauerstoffgehalt nimmt wieder zu und KOhlendioxid wird abgeatmet. Im Fall des plötzlichen Kindstodes sollen diese Gebiete gestört sein, z. B. durch eine noch mangelhafte Durchblutung oder Reifestörungen. Das bedeutet, dass bei Sauerstoffmangel oder Kohlendioxiderhöhung (z. B. durch äußere Faktoren wie eine verlegte Atmung oder Einatmen von Nikotin, siehe Risikofaktoren) die lebensrettenden Reaktionen versagen.
Impfungen. Da die meisten Fälle des plötzlichen Kindstodes im "ersten Impfalter" passieren, geraten Impfungen immer wieder in Verdacht. Es gibt jedoch keine Hinweise für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfungen und dem plötzlichen Kindstod.
Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod
Auch wenn die eigentliche Ursache nicht geklärt ist, lassen sich doch wichtige, beeinflussbare Risikofaktoren benennen. Von diesen leiten sich auch die Vorbeugemaßnahmen ab (mehr dazu unter "Ihre Apotheke empfiehlt"). Zu diesen Risikofaktoren gehören:
- Schlaflage. Kinder, die in Bauchlage schlafen, haben ein etwa 2-fach höheres Risiko. Kommt dann noch eine weiche Unterlage, ein dickes Kopfkissen oder eine große Bettdecke hinzu, steigt das Risiko weiter an. Die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes ist seit dem Anfang der 90er-Jahre um fast 90 % zurückgegangen, da ab dieser Zeit die Rückenlage als bevorzugte Schlafposition für Säuglinge empfohlen wurde.
- Schlafen im Elternbett. Das Risiko des plötzlichen Säuglingstods ist 3-fach erhöht, wenn Kinder mit den Eltern zusammen in einem Bett schlafen.
- Schlafumgebung. Offenbar stellen eine schlechte Sauerstoffzufuhr und zu viel Wärme in der Schlafumgebung ein Risiko dar. Optimalerweise sollte die Umgebungstemperatur beim Schlafen ungefähr 18° C betragen. Da sich Kinder Bettdecken leicht über den Kopf ziehen können, empfiehlt sich außerdem ein gut passender Baby-Schlafsack.
- Nikotin. Wenn die Mutter raucht, hat das Baby ein 5-fach höheres Risiko, am plötzlichen Kindstod zu versterben. Manche Forscher*innen gehen davon aus, dass ein großer Teil dieses Risikos schon durch das Mitrauchen im Mutterleib bedingt ist. Aber auch eine rauchfreie Umgebung, insbesondere im Schlaf, ist sehr wichtig!
- Schwangerschaftsverlauf. Frühgeborene und Mehrlinge haben ein etwa 3- bis 5-mal höheres Risiko.
- Frühes Abstillen. Auch frühzeitiges Abstillen ist möglicherweise ein Risikofaktor, denn unter den Opfern des plötzlichen Kindstodes kommen gestillte Kinder nur halb so oft vor.
- Alter der Mutter. Ist die Mutter jünger als 20 Jahre, besteht eher die Gefahr für einen plötzlichen Kindstod als bei älteren Müttern.
- Apnoe/BRUE. Als besonders gefährdet gelten auch Säuglinge, bei denen längere Atempausen (Schlaf-Apnoe) zu beobachten sind. Auch wenn das Kind schon zweimal ein kurzes, abgeschlossenes, unerklärliches Ereignis (BRUE, früher "Anscheinend lebensbedrohliches Ereignis", ALE oder ALTE) mit Blauverfärbung der Haut, Atempause und Leblosigkeit aufgrund unbekannter Ursache durchgemacht hat, ist das Risiko erhöht.
- Erbliche Belastung. Ist bereits ein Geschwisterkind am plötzlichen Kindstod verstorben, besteht eine höhere Gefahr für die danach geborenen Kinder.
Diagnosesicherung
Typischerweise finden die Eltern das leblose Kind in seinem Bettchen und alarmieren die Notärzt*in. Trifft das Rettungsteam ein, können diese nur noch den Tod des Kindes feststellen. Blaue Lippen, Schaum vor dem Mund, schwitzige Haare sowie der meist gute Pflege- und Ernährungszustand und das Fehlen von Gewaltspuren legen gemeinsam mit den Schilderungen der Eltern den Verdacht auf einen plötzlichen Kindstod nahe. Dieser gilt als nicht aufgeklärter Todesfall und ist der Polizei zu melden. Für eine sichere Feststellung der Todesursache ist jedoch eine Obduktion nach definiertem wissenschaftlichem Protokoll erforderlich. Nur dadurch lässt sich klären, ob der Tod als plötzlicher Kindstod zu klassifizieren ist oder ob ihm eine natürliche oder nicht-natürliche Ursache (z. B. Ersticken durch einen Elternteil) zugrunde liegt. Die Obduktion wird von der Staatsanwaltschaft eingeleitet, verzichtet diese darauf, können die Eltern sich aber auch freiwillig dafür entscheiden.
Differenzialdiagnostik. Wichtige Differenzialdiagnose ist der Tod aufgrund von Fehlbildungen oder Erkrankungen wie etwa Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder das Reye-Syndrom. Bei einem leblos aufgefundenen Kind muss man aber auch immer an nicht-natürliche Todesursachen wie das aktive Ersticken, Schütteltrauma, Misshandlung oder auch Vernachlässigung denken.
Diagnostik beim Geschwisterkind. Es gibt bisher keine diagnostischen Methoden, mit denen man gefährdete Kinder vorbeugend erkennen kann. Zur Vorsicht werden Neugeborene, deren Geschwisterchen am plötzlichen Kindstod verstorben ist, trotzdem besonders gründlich hinsichtlich ihres Herz-Kreislaufsystems und der Atmung untersucht. Dazu gehören beispielsweise die Prüfung der Atmung, ein EKG und Laboruntersuchungen wie Blutzucker und Blutbild.
Nach dem Tod des Kindes
Der Tod des eigenen Kindes gilt als eine der schlimmsten Erfahrungen, die Eltern machen können. Viele kommen dadurch psychisch an ihre Grenzen. Durch die polizeiliche Untersuchung und die eventuelle Obduktion werden Trauer und Abschiednehmen für die betroffenen Eltern weiter massiv erschwert. Eine zusätzliche Belastung ist die Tatsache, dass das Bedürfnis nach Aufklärung und Diagnose trotz Untersuchung nicht befriedigt werden kann. Die psychischen und körperlichen Folgen sind erheblich: Eltern, die ihr Baby durch einen plötzlichen Kindstod verloren haben, haben eine reduzierte Lebenserwartung. Einer dänischen Studie zufolge erhöht sich in den ersten 4 Jahren nach dem Ereignis bei betroffenen Müttern das Suizidrisiko um das Vierfache und das Risiko, langfristig an Krebs zu erkranken, um 44 %. Betroffene Väter sollen ein doppelt so hohes Risiko haben, durch Suizid oder einen Unfall zu versterben.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Der plötzliche Kindstod ist zu Recht eine Sorge vieler Eltern von Säuglingen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass vorbeugende Maßnahmen wirksam sind: Denn bei Kindern, die nicht passivrauchen, die gestillt werden und auf einer festen Unterlage auf dem Rücken schlafen, ist der plötzliche Kindstod sehr selten. Die wichtigsten Präventionsmaßnahmen sind:
Rückenlage. Lassen Sie das Kind auf dem Rücken schlafen – nicht auf dem Bauch! Zwar wurde festgestellt, dass diese Art zu schlafen einen asymmetrischen/platten Hinterkopf begünstigt. Dies lässt sich jedoch vermeiden, wenn Sie Ihr Baby so oft wie möglich auf dem Bauch liegen lassen – aber nur, wenn es beaufsichtigt wird. Das hat einen zusätzlich positiven Effekt: Durch die Bauchlage im Wachen werden die Muskeln gestärkt und die Kopfhalte-Kontrolle geübt.
Nicht rauchen. Verzichten Sie auf das Zigarettenrauchen– sowohl während der Schwangerschaft als auch danach! Auch nicht im Garten oder auf dem Balkon, denn die Schadstoffe lagern sich auf der Kleidung ab und werden so auf den Säugling übertragen. Bestandteile des Zigarettenrauchs sind dann also trotzdem im Blut Ihres Säuglings nachweisbar!
Überwärmung vermeiden. Eine Raumtemperatur von max. 18° C reicht zum Schlafen aus. Achten Sie auch darauf, dass das Kinderbett nicht an der Heizung oder in der Sonne steht. Die Körpertemperatur des Kindes fühlt man am besten am Rücken zwischen den Schulterblättern. Fühlt es sich hier verschwitzt an, ist die Umgebung zu warm.
Schlafsack statt Federbett. Damit das Kind mit dem Kopf nicht unter die Decke rutscht, bietet sich ein Schlafsack an. Dieser darf nicht "auf Vorrat" angeschafft werden, sondern muss gut sitzen. Das bedeutet, dass die Halsöffnung kleiner sein soll als der Kopf.
Gesunde Schlafumgebung. Sorgen Sie zusätzlich für eine gesunde Schlafumgebung – hierzu gehören ein "richtiges" Bett (also kein Wasserbett oder Sofa), eine feste Schlafunterlage oder Matratze, der Verzicht auf Kissen, Plüschtiere, Fellunterlagen oder zu große Federbetten und auf das zu warme "Einpacken" des Babys.
Eigenes Kinderbett. Empfohlen wird, dass Babys im 1. Lebensjahr nicht im eigenen Zimmer, sondern im eigenen Bett bei den Eltern schlafen. Optimalen Schutz bietet ein kleines Kinderbettchen, das am elterlichen Bett befestigt oder direkt daneben gestellt wird.
So lange wie möglich stillen. Babys, die länger als 6 Monate gestillt werden, haben ein niedrigeres Risiko als früh abgestillte Kinder.
Schnuller anbieten. Der frühe Gebrauch eines Schnullers reduziert das Risiko um etwa 60 %.
Nicht pucken. Das feste Einwickeln von Säuglingen in ein Tuch ist eine uralte Wickelmethode, die immer mehr propagiert wird. Kinderärzt*innen warnen generell dagegen, den Kindern die Bewegungsfreiheit zu nehmen. Vor allem in Bauch- und Seitenlage soll das Pucken das Risiko für einen plötzlichen Kindstod erhöhen.
Keine Schlafpositionierer benutzen. Die Idee, das Kind durch Polster oder das Anbinden des Schlafsacks in Rückenposition zu halten, ist naheliegend, aber grundfalsch. Durch solche Schlafpositionierer wird das Risiko für den plötzlichen Kindstod und Unfälle (Strangulieren in den Schnüren des angebundenen Schlafsacks) erhöht.
Atem- und Herzmonitor. Ein Atem- und Herzmonitor weckt die Eltern auf, wenn Atmung oder Herzschlag des Babys in einen kritischen Bereich abfallen. Leider haben die Eltern oft mit Fehlalarmen zu kämpfen, und bei einem "echten" Alarm kommen die Wiederbelebungsmaßnahmen häufig zu spät. Dem plötzlichen Kindstod lässt sich mithilfe dieser Geräte nicht effektiv vorbeugen. Allerdings trägt ein Monitor bei vielen Eltern dazu bei, dass sie sich sicherer fühlen.
Weiterführende Informationen
Hilfe für betroffene Eltern gibt es von der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod e. V., zu erreichen unter www.geps.de.
Was tun, wenn das Kind fiebert?
Temperaturalarm im Kinderzimmer
Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.
Fieber als Zeichen der Abwehr
Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.
Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.
In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.
Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.
Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab.
- Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an.
- Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken.
- Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.
Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.
Wie misst man Fieber richtig?
Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor:
- Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
- Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe).
- Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.
Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.
Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.
Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?
In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind
- benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
- schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
- Krämpfe entwickelt,
- sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
- bei Berührung empfindlich ist,
- ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat
- einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder
- schwer krank wirkt.
Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.
Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.
Was tun bei Fieber?
Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.
Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.
- Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
- Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
- Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.
Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.
Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.
Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.
Sind Medikamente bei Fieber nötig?
Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.
Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.
Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.
Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.
Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.
Erholung muss sein!
Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.
Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.
Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.
Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

