Gesundheit heute
Hüftdysplasie
Hüftdysplasie (Hüftgelenksdysplasie, angeborene Hüftluxation): Fehlanlage oder Reifestörung des Hüftgelenks, bei der die Hüftgelenkspfanne den Hüftkopf nicht vollständig überdacht. In der Folge sitzt der Hüftkopf nicht fest genug, es droht die Ausrenkung (Luxation). Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Skelettfehlentwicklung, wobei deutlich mehr Mädchen betroffen sind als Jungen. Unbehandelt führt die Hüftdysplasie zu Gehstörungen, starken Schmerzen und einer vorzeitigen Hüftgelenksarthrose.
Auffällig werden die Kinder manchmal erst, wenn sie bei ihren ersten Gehversuchen hinken – dann ist jedoch die optimale Zeitspanne für eine Erfolg versprechende Frühbehandlung bereits verpasst. Deshalb werden Säuglingshüften routinemäßig mit Ultraschall im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert. Findet sich dabei eine Hüftdysplasie oder -luxation, lässt sich die Fehlbildung durch frühzeitige Therapie meist innerhalb weniger Monate vollständig heilen. Bleibt die Erkrankung jedoch unerkannt, sind die Spätfolgen oft nur durch eine komplizierte Operation oder einen Gelenkersatz zu behandeln.
Hinweis: Erworbene Hüftgelenksausrenkungen aufgrund von Verletzungen oder neuromuskulären Erkrankungen werden unter Hüftgelenksluxation behandelt.
Symptome und Leitbeschwerden
Beim Neugeborenen oder Säugling:
- Schwierigkeiten beim Abspreizen des Beinchens beim Wickeln, oft vor allem im Vergleich zur Gegenseite erkennbar
- Unsymmetrische Falten an Oberschenkel und Po des Säuglings.
Beim Kind oder jungen Erwachsenen:
- Eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte
- Deutlich sichtbares Hinken oder "Watschelgang" (wenn beide Hüften betroffen sind)
- Manchmal Schmerzen in Leiste oder Knie
- (Scheinbar) kürzeres Bein auf der betroffenen Seite (wenn der Hüftkopf nach oben ausgerenkt ist).
Wann in die Arztpraxis
Sofort, wenn
- bei Kindern Schmerzen in Gesäß oder Leiste auftreten
- Säuglinge die oben genannten Auffälligkeiten zeigen.
In den nächsten Wochen, wenn
- Schmerzen in der Leiste länger als 3 Tage anhalten oder Hinken auffällt.
Die Erkrankung
Das Hüftgelenk wird aus der im Hüftbein liegenden Gelenkpfanne und dem oberen Ende des Oberschenkelknochens, dem Hüftkopf, gebildet. Normalerweise umschließt die Gelenkpfanne etwa die Hälfte des Hüftkopfes. Bei der Hüftdysplasie ist die Gelenkpfanne zu steil oder zu klein und überdeckt den Hüftkopf nur unzureichend. So droht er bei Belastung teilweise (Subluxation) oder vollständig (Luxation) aus dem Gelenkbett zu gleiten. Dies geschieht in den meisten Fällen nach oben-hinten.
Häufigkeit
Die Hüftdysplasie ist relativ häufig, sie betrifft in Mitteleuropa zwei bis drei Kinder auf 100 Geburten, Mädchen fünfmal so oft wie Jungen. Eine regionale Ansammlung (sogenannte "Luxationsnester") besteht in Tschechien, Sachsen und Thüringen.
Ursachen
Die Hüftdysplasie kann genetisch bedingt sein. Dafür sprechen die oben genannten "Luxationsnester" sowie das erhöhte Risiko, wenn die Mutter ebenfalls von einer Hüftdysplasie betroffen war. Sicher belegt sind auch schwangerschaftsbedingte Auslöser bzw. Risikofaktoren. So führt Platzmangel in der Gebärmutter dazu, dass sich das Kind nicht ausreichend bewegen kann und so die Ausreifung der Hüfte gestört wird. Das ist zum Beispiel der Fall bei Zwillingsschwangerschaften oder Fruchtwassermangel. Auch Lageanomalien des Ungeborenen können die Hüftreifung stören: Die starke Beugung der Hüfte bei Steißlage erhöht beispielsweise das Risiko für eine Hüftdysplasie um das 25-Fache.
Manche Hüftdysplasien sind mit Chromosomenanomalien verbunden (Ulrich-Turner-Syndrom, Trisomie 18). Hier finden sich dann häufig noch andere Fehlbildungen wie Klumpfüße oder Knick-Platt-Füße.
Verlauf
Neugeborene und Säuglinge haben bei einer Hüftdysplasie meist keine Beschwerden. Unbemerkt und unbehandelt führt die Hüftdysplasie dann aber dazu, dass sich der Hüftkopf immer weiter verschiebt – im schlimmsten Fall bis zur Ausrenkung. Zum Ausgleich der gestörten mechanischen und statischen Verhältnisse am Hüftgelenk kippt das Becken zur gesunden Seite und die Wirbelsäule verkrümmt sich nach vorn und/oder zur Seite, es drohen Hohlkreuz und Skoliose. Im Verlauf kommt es deshalb im Kindes-, manchmal auch erst im jungen Erwachsenenalter zu belastungsabhängigen Schmerzen in Leiste, Hüfte und/oder Knie sowie zu Gehbehinderungen. Durch die Fehlbelastung verschleißen Pfanne und Hüftkopf schneller, es droht eine Hüftgelenksarthrose. So sollen die Hälfte aller Hüftgelenksarthrosen und jede zehnte der heute eingesetzten Hüftgelenksprothesen (H-TEP) auf eine unbehandelte Hüftdysplasie zurückgehen.
Diagnosesicherung
Neugeborene und Säuglinge. Die allermeisten Fälle werden heute im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen in den ersten Lebenswochen diagnostiziert. Bei der körperlichen Untersuchung ist manchmal eine Abspreizhemmung, d. h. eine Hemmung beim Auseinanderfalten der in Knie und Hüfte gebeugten Oberschenkel erkennbar. Gesichert wird die Diagnose schnell und einfach mit einer Ultraschalluntersuchung. Ultraschall ist deshalb besonders geeignet, weil die Hüftpfanne noch nicht verknöchert und die knorpeligen Strukturen im Ultraschall gut sichtbar sind. In seltenen Fällen ist eine Röntgenaufnahme nötig, die aber erst nach dem 3. Lebensmonat Veränderungen zeigt. Um die Varianten der Hüftdysplasie richtig einordnen zu können, wird der Ultraschall in einer vorgegebenen, standardisierten Art vorgenommen. Damit bestimmt die Ärzt*in den Hüft-Typ des Neugeborenen und misst zwei wichtige Winkel. Der Knochenwinkel Alpha steht für die knöcherne Formgebung, der Knorpelwinkel Beta für die knorpelige Überdachung.
- Typ I: Voll ausgereifte Hüfte und das Pfannendach liegt über dem Hüftkopf. Alpha-Winkel > 60°, Beta-Winkel < 55°.
- Typ II: Reifungsverzögerung mit einem unausgewogenen Verhältnis der knöchernen zur knorpeligen Struktur der Pfanne. Bei Typ A und B beträgt der Alpha-Winkel 50–59°, der Beta Winkel ist normal. Wird der Alpha-Winkel kleiner (zwischen 43 und 49°) und der Beta-Winkel größer (bis zu < 77°), ist das Luxationsrisiko erhöht (Typ C). Beim Typ II D ist der Alpha-Winkel zwar noch > 43°, der Hüftkopf jedoch verschoben.
- Typ III: Die Hüftpfanne ist schlecht verknöchert, wodurch sie sehr flach ist und keinen Halt gibt. Der Alpha-Winkel ist kleiner als 43°, der Beta-Winkel > 77°. Der Hüftkopf ist verschoben, liegt aber noch unter der Gelenklippe.
- Typ IV: Der Hüftkopf ist komplett ausgerenkt und liegt oberhalb der Gelenklippe. Das Hüftgelenk ist komplett instabil.
Bei Kindern oder jungen Erwachsenen lenken Hinken und Schmerzen in Knie oder Leiste den Verdacht auf die Hüfte. Bei der körperlichen Untersuchung untersucht die Ärzt*in Wirbelsäule, Hüfte und Beine im Stehen und beim Gehen und achtet z. B. darauf, ob die Beine unterschiedlich lang erscheinen und wie der Gang aussieht. In der körperlichen Untersuchung im Liegen lässt sich das Bein des Kindes meist nicht abspreizen. Bei Kindern und Erwachsenen wird die Hüftdysplasie mittels Röntgenbildern abgeklärt und beurteilt. Auch hier sind neben Form und Lage der Gelenkstrukturen verschiedene Winkel von Bedeutung, um die korrigierenden Eingriffe zu planen. Die Aussagekraft der Ultraschalldiagnostik nimmt mit zunehmenden Alter des Kindes ab, da die Hüftpfanne ab dem 1. Lebensjahr verknöchert und Knochen im Ultraschall nicht dargestellt werden.
Differenzialdiagnosen. Hinken und/oder Knieschmerzen finden sich beim Kind auch aufgrund von Morbus Perthes oder einer Epiphyseolysis capitis femoris.
Behandlung
Konservative Therapie beim Säugling
Das Behandlungsprinzip besteht darin, den Hüftkopf mittig in der Pfanne zu platzieren und dort zu halten, damit die Pfanne ordnungsgemäß nachreift und verknöchert. Das ist allerdings nur vor der Verknöcherung des Hüftgelenks, also innerhalb der ersten beiden Lebensjahre möglich.
Die Therapie der leichten Hüftdysplasie (Typen II A bis C) ist beim kleinen Säugling gleichermaßen einfach wie effektiv: Durch mehrmonatiges Tragen einer Spreizhose oder "Breites Wickeln" (siehe unten) wird der Hüftkopf mittig in die Pfanne gedrückt und das Gelenk dadurch zum korrekten Nachreifen gebracht. Reichen Spreizhose und breites Wickeln nicht aus, kommt manchmal auch eine etwas stabilere Hüftbeugeschiene zum Einsatz.
Bei allen weiter fortgeschrittenen Hüft-Typen (II D bis IV) reicht eine alleinige Abspreizbehandlung nicht mehr aus. In diesen Fällen wird das Gelenk erst eingerenkt, entweder rasch in Kurznarkose oder über 3 Wochen in einem Streckverband (Overheadextension). Anschließend wird das Hüftgelenk in Sitz-Hock-Position (Froschstellung) mit einem speziellen Gips oder einer Bandage 24 Stunden täglich für mindestens 8 Wochen ruhiggestellt, damit es ausreifen kann. Danach muss das Kind noch für einige Zeit eine Hüftbeuge- oder Spreizschiene tragen, damit die Hüfte auch langfristig korrekt ausheilt.
Ob die Therapie greift, kontrolliert die Ärzt*in alle 4 Wochen mit einer Ultraschalluntersuchung. Den langfristigen Erfolg prüft man mit Röntgenuntersuchungen zu Beginn des Laufenlernens, im 5. Lebensjahr sowie in der Pubertät zum Wachstumsabschluss.
Therapie bei älteren Kindern und Erwachsenen
In seltenen Fällen reichen die konservativen Maßnahmen zur Ausheilung nicht aus und es muss operativ eingegriffen werden. Das gilt auch für die Patient*innen, bei denen die Hüftdysplasie mangels Vorsorgeuntersuchung überhaupt erst im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter entdeckt wird.
Alle Verfahren haben das Ziel, die Überdeckung des Hüftkopfs zu verbessern und dadurch die Schmerzen zu lindern und das Gangbild zu verbessern. Nur bei völligem Verschleiß ist ein Gelenkersatz (künstliche Hüfte) erforderlich.
Bei jüngeren Kindern gilt die Beckenosteotomie nach Salter als Standard. Hier wird das Darmbein über der Gelenkpfanne durchtrennt und so nach unten und vorn gekippt, dass die Pfanne über dem Hüftkopf steht. In den entstandenen Spalt schlägt die Chirurg*in dann einen Knochenkeil ein, der bei Kindern meist aus einem Spenderknochen zurechtgesägt wird.
Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind häufig noch umfangreichere operative Maßnahmen nötig. Ein neueres Verfahren ist die Triple-Ostetomie, bei der alle drei die Hüftpfanne bildenden Anteile des Hüftbeins (Schambein, Sitzbein und Darmbein) durchtrennt und die Überdachung der Pfanne neu rekonstruiert wird.
Prognose
Wird eine Hüftdysplasie in den ersten Lebenswochen erkannt, heilt sie bei fachgerechter Behandlung meist folgenlos aus. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, drohen Spätschäden wie Gehstörungen und Hüftgelenksarthrose.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Breites Wickeln. Breites Wickeln fördert die Froschposition und damit die Platzierung des Hüftkopfes mittig in der Pfanne. Benutzt man Wegwerfwindeln, legt man am besten ein auf 15 cm Breite gefaltetes Moltontuch über die Windel zwischen die Beinchen und verschließt dann den Babybody (oft ist eine Kleidergröße mehr erforderlich). Man kann auch eine zweite Windel verkehrt herum über die erste ziehen, um die Beine zu spreizen. Bei Stoffwindeln reicht es aus, einfach eine extra breite Einlage zu nehmen und darüber die Überhose anzuziehen.
Strampeln lassen. Babys sollen im Bettchen viel frei strampeln, weil die Bewegungen die gesunde Entwicklung der Hüftgelenke fördern. Fest einpacken oder gar "pucken" (das ist eine spezielle Technik, bei der das Baby von Kopf bis Fuß sehr fest in ein Tuch gewickelt wird) ist für Kinder mit Hüftdysplasie gänzlich ungeeignet.
Tragetuch statt Streckstellung. Die positive auf die Ausreifung der Hüfte wirkende Froschstellung nimmt das Kind auch ein, wenn es im Tragetuch transportiert wird. Das gleiche gilt für ergonomisch gefertigte Babytragen, auch sie sind gut für die Hüfte.
Rückenlage statt Bauchlage. Die Bauchlage scheint die Entwicklung des Hüftgelenks zu stören. Besser liegt das Kind auf dem Rücken, so kann es auch leichter strampeln.
Prävention
Der einzig sinnvolle Weg, die Zahl der Krankheitsfälle zu reduzieren, ist die konsequente Untersuchung der Neugeborenen, wie es in der U3 in der 4. bis 6. Woche vorgeschrieben ist. Viele Ärzt*innen propagieren eine Vorverlegung der Untersuchung in die ersten Lebenstage, da die Behandlungszeit umso kürzer und die Heilungschancen umso höher sind, je früher die Therapie beginnt. Inzwischen wird – vor allem bei Risikofaktoren – auch bei Säuglingen im Rahmen der U2 innerhalb der 1. Lebenswoche noch in der Entbindungsklinik eine Hüftsonografie durchgeführt.
Sport
Bei einer Hüftdysplasie im Erwachsenenalter sind hüftschonende Sportarten wichtig. Dazu gehören beispielsweise Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik und Inline Skaten. Joggen ist aufgrund der hohen Gelenkbelastungen schädlich für Patient*innen mit einer Hüftdysplasie.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

