Gesundheit heute
Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina
Hand-Mund-Fuß-Krankheit: Meist harmlose virale Infektionskrankheit mit leichtem Fieber, Bläschen an der Mundschleimhaut sowie charakteristischem Hautausschlag. Die Bläschen an Handinnenflächen, Fußsohlen (aber auch Beinen) sowie im Mund-Lippen-Bereich platzen schnell auf und sind dann sehr schmerzhaft.
Herpangina (vesikuläre Pharyngitis): Virale Infektionskrankheit, bei der besonders die Mundhöhle, und hier besonders die Gaumenbögen oder die Mandeln (Tonsillen), betroffen sind. Die Krankheit wird begleitet von höherem Fieber, Bläschen an der Mundschleimhaut sowie Hals- und Kopfschmerzen.
Die Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina werden meistens durch Coxsackie-A-Viren hervorgerufen. Beide Erkrankungen sind sehr ansteckend und das bereits auch schon vor Beginn der Beschwerden. Aus diesem Grund kommt es insbesondere im Sommer und Frühherbst häufig unter Kindergartenkindern zu Epidemien, die fast immer harmlos verlaufen. In aller Regel klingen die Symptome von selbst nach 1–2 Wochen ab. Eine spezielle Therapie ist deshalb nicht notwendig. Sobald die Bläschen voll abgeheilt sind, sind die Kinder auch nicht mehr ansteckend.
Symptome und Leitbeschwerden
Hand-Mund-Fuß-Krankheit:
- Leichtes Fieber
- Hautausschlag im Mund-Lippen-Bereich, an den Handflächen und Fußsohlen, der dann übergeht in 1–3 mm große Bläschen mit schmalem rotem Rand
- Gleichzeitig Bläschen an der Mundschleimhaut, im Rachen, an der Zunge und an den Lippen
- Schwächegefühl
- Kopf- und Halsschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Evtl. uncharakteristische Bauchbeschwerden oder Erbrechen; gleichzeitig Durchfall möglich.
Herpangina:
- Rasch ansteigendes, hohes Fieber
- Allgemeines Krankheitsempfinden mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Hals- und Schluckbeschwerden
- Zunächst kleine rote Flecken auf der Mundschleimhaut, später herpes-ähnliche Bläschen im hinteren Gaumenbereich, die zu kleinen Geschwüren aufplatzen
- Evtl. uncharakteristische Bauchbeschwerden oder Erbrechen
- Fehlen von Erkältungszeichen, wie laufende Nase oder Husten
- Evtl. Magen-Darm-Probleme nach Verschwinden der Bläschen.
Wann in die Kinderarztpraxis
Am nächsten Tag, wenn
- Sie die oben genannten Symptome bei Ihrem Kind bemerken.
Heute noch, wenn
- Sie gelbe Eiterbeläge auf den Mandeln Ihres Kindes entdecken.
Sofort, wenn
- Ihr Kind hohes Fieber hat
- Ihr Kind unter Krämpfen oder einem steifen Nacken leidet
- Ihr Kind verwirrt, teilnahmslos oder schläfrig ist.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Die häufigsten Erreger der Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina sind Coxsackie-Viren der Gruppe A. Aber auch die Coxsackie-Viren der Gruppe B und das in Europa seltene humane Enterovirus 71 lösen die beiden Erkrankungen aus und führen dann zu schwereren Verläufen. Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch Tröpfchen- (Bläscheninhalt, Speichel) oder Schmierinfektion vor allem über die Hände. Die Viren dringen meist im Rachenbereich in den Körper ein und vermehren sich. Konzentrieren sich die Beschwerden vor allem auf den Mund- und Rachenbereich, sprechen Mediziner von Herpangina, bei Hautausschlag an Füßen und Händen von der Hand-Mund-Fuß-Krankheit. In aller Regel klingen die Symptome von selbst nach 1–2 Wochen ab, allerdings werden noch längere Zeit Viren über den Stuhl ausgeschieden.
Nach einer durchgemachten Infektion mit Coxsackie-Viren verfügt das Kind zwar über eine Immunität gegenüber diesem Erreger. Da Coxsackie-Viren jedoch in vielen Variationen vorkommen, kann ein Kind mehrmals an einer Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina erkranken – dann ausgelöst durch einen anderen Vertreter der Coxsackie-Viren.
Verlauf
Zunächst leidet das Kind unter grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen, etwa 1–2 Tage später bilden sich schmerzhafte Bläschen vor allem an der Mundschleimhaut. Die Lippen, der weiche Gaumen, die Mandeln und der Rachen bleiben frei bzw. sind selten betroffen. Manchmal sind auch die Bindehäute befallen. Aus diesen Bläschen entwickeln sich schmierig belegte und schmerzhafte Geschwüre (Aphten), sodass das erkrankte Kind kaum essen will. Gleichzeitig oder auch nur kurze Zeit später leidet das Kind an einem symmetrischen Hautausschlag mit der Bildung von Bläschen an den Handinnenflächen, Fußsohlen und am Gesäß. Dieser Ausschlag verursacht sowohl an Händen als auch an den Füßen einen stechenden oder spannenden Schmerz, begleitet von einem starken Juckreiz. Die Bläschen heilen meist nach 8–12 Tagen ohne Krustenbildung ab. Selten lösen sich nach der Infektion die Finger- und/oder Zehennägel ab, die allerdings wieder nachwachsen.
Komplikationen
In sehr seltenen Fällen führt die Infektion mit Coxsackie-A-Viren zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung; Coxsackie-Viren der Gruppe B können darüber hinaus Herzentzündungen auslösen.
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in stellt die Diagnose aufgrund des typischen Krankheitsbildes (Blickdiagnose). Manchmal nimmt sie eine Probe aus dem Bläscheninhalt oder aus dem Stuhl, um die Viren nachzuweisen.
Differenzialdiagnose. Schmerzhafte Bläschen im Mund verursacht auch die Stomatitis aphtosa (Mundfäule). Das ist eine Erkrankung, die durch Herpes-Viren verursacht wird. Auch die Hautveränderungen bei Windpocken ähneln denen der Hand-Mund-Fuß-Krankheit.
Behandlung
Eine medikamentöse Bekämpfung des Virus ist nicht möglich. Entsprechend zielt die ärztliche Behandlung vorrangig auf die Linderung der Beschwerden, etwa durch fiebersenkende Medikamente (z. B. Paracetamol) und Spülungen oder Tinkturen für den Mund.
Prognose
Die Prognose ist sehr gut. Sowohl die Hand-Mund-Fuß-Krankheit als auch Herpangina sind fast immer ungefährlich und Folgeschäden sind selten. Die Bläschen heilen meistens innerhalb von 1–2 Wochen ohne Folgen aus und das Fieber geht in den meisten Fällen nach 2–4 Tagen zurück. Erkrankte Kinder entwickeln eine lebenslange Immunität gegen den Virustyp, der die Infektion verursacht hat.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Schmerzen lindern. Oft schmerzen gerade die Bläschen im Mund so stark, dass erkrankte Kinder kaum mehr essen mögen. Dagegen lässt sich aber einiges unternehmen:
- Kurzfristig hilft oft schon das Lutschen eines Eiswürfels oder eines Speiseeises. Der Kältereiz "überdeckt" dann den eigentlichen Schmerz.
- Auch Tinkturen mit Kamille, Salbei, Ratanhia oder Myrrhe lindern den Schmerz. Geben Sie eine kleine Menge auf ein Wattestäbchen und bestreichen Sie die betroffenen Stellen vorsichtig.
- Gegen Schmerzen beim Schlucken helfen besonders Lutschtabletten, Sprays oder Gurgellösungen, die ein Lokalanästhetikum enthalten. Diese enthalten beispielsweise die Wirkstoffe Benzocain oder Ambroxol. Verabreichen Sie diese am besten direkt vor dem Essen, weil der Effekt nur kurz anhält.
- Bei starken Schmerzen dürfen Sie Ihrem Kind für wenige Tage auch Schmerzmittel als Saft oder Tablette geben, z. B. Ibuprofen oder Paracetamol. Die Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie bei Unsicherheit Ihre Ärzt*in oder Apotheker*in.
Ausreichend trinken. Wenn ihr Kind Fieber hat, verliert es viel Flüssigkeit. Deshalb ist es wichtig, ihr Kind trotz Schmerzen zum Trinken zu motivieren. Ideal sind Tees mit entzündungshemmenden Kräutern wie Kamille oder Salbei.
Fieber senken. Leichtes Fieber muss nicht gesenkt werden – denn Fieber ist eine natürliche Strategie des Körpers, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Leidet ihr Kind sehr, helfen Hausmittel wie Wadenwickel, aber auch fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen.
Geeignete Speisen. Säurehaltige oder salzige Speisen und Getränke reizen die offenen Stellen im Mund zusätzlich und verursachen oft erhebliche Schmerzen. Vermeiden Sie solche Lebensmittel und bereiten Sie Ihrem Kind weiche oder flüssige Speisen zu wie Suppen oder Pürees.
Prävention
Hygienemaßnahmen. Eine gezielte Vorbeugung vor Herpangina und der Hand-Mund-Fuß-Krankheit ist nicht möglich. Dennoch sollten Sie im Umgang mit Ihrem erkrankten Kind auf allgemeine Hygienemaßnahmen achten. Dazu gehört das Händewaschen mit Seife, vor allem nach dem Wechseln der Windeln und nach dem Toilettengang. Ebenso müssen Sie auf einen allzu engen Kontakt (Schmusen, Küssen, Umarmen, gemeinsame Nutzung von Besteck oder Geschirr) mit Ihrem Kind verzichten. Reinigen Sie auch verschmutzte Oberflächen und Gegenstände wie WC, Spielzeug oder Türgriffe besonders gründlich.
Kindergarten ja oder nein? Immer wieder für Diskussion sorgt die Frage, ob Kleinkinder die Hand-Mund-Fuß-Krankheit oder Herpangina generell zu Hause auskurieren müssen. Das Robert Koch-Institut in Berlin sagt dazu sinngemäß:
- Erkrankte Kinder aus Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulen generell auszuschließen, ist wegen der hohen Zahl asymptomatischer Verläufe und – da die Viren noch für Wochen nach Symptomende ausgeschieden werden – nicht notwendig und auch nicht angemessen.
- Dennoch sollten Kinder mit akuten Symptomen Gemeinschaftseinrichtungen fernbleiben, da von der hohen Virusausscheidung in dieser Phase auch ein besonders hohes Übertragungsrisiko ausgeht.
- Nach Eintrocknen der Bläschen und klinischer Genesung soll die Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen auch ohne ärztliches Attest ermöglicht werden.
Was tun, wenn das Kind fiebert?
Temperaturalarm im Kinderzimmer
Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.
Fieber als Zeichen der Abwehr
Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.
Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.
In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.
Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.
Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab.
- Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an.
- Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken.
- Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.
Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.
Wie misst man Fieber richtig?
Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor:
- Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
- Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe).
- Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.
Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.
Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.
Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?
In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind
- benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
- schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
- Krämpfe entwickelt,
- sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
- bei Berührung empfindlich ist,
- ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat
- einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder
- schwer krank wirkt.
Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.
Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.
Was tun bei Fieber?
Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.
Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.
- Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
- Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
- Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.
Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.
Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.
Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.
Sind Medikamente bei Fieber nötig?
Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.
Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.
Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.
Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.
Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.
Erholung muss sein!
Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.
Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.
Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.
Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

