Gesundheit heute

Gelbsucht beim Neugeborenen

Gelbsucht beim Neugeborenen (Neugeborenen-Ikterus): Gelbfärbung der Haut des Neugeborenen in den ersten Tagen nach der Geburt. Ausgelöst wird die Neugeborenengelbsucht durch eine Ansammlung des Blutabbauprodukts Bilirubin. Grund dafür ist, dass die kindliche Leber die Umstellung vom fetalen auf das "normale" Blut nicht so schnell verkraftet. Dies hat in der Regel keinen Krankheitswert und wird deshalb von den Ärzt*innen auch als physiologische Gelbsucht (d. h. zu den normalen Körperfunktionen gehörige Gelbsucht) bezeichnet. Die Gelbsucht kommt bei etwa 60 % aller gesunden Neugeborenen und rund 80 % aller Frühgeborenen vor. In den meisten Fällen bildet sie sich mit dem Ende der 1. Lebenswoche von selbst zurück.

Selten stecken hinter der Gelbfärbung auch Erkrankungen wie eine Blutvergiftung oder ein Leberschaden. In diesem Fall werden die Säuglinge mit blau erscheinendem UV-Licht behandelt, um den Abbau des Bilirubins zu beschleunigen.

Symptome und Leitbeschwerden

Physiologische Gelbsucht:

  • Beginn der Gelbfärbung um den 2. oder 3. Lebenstag
  • Gelbfärbung von Haut, Augapfel und Schleimhäuten, z. B. am Gaumen
  • Braunfärbung des Urins
  • Helle Stuhlfarbe
  • Evtl. Müdigkeit des Säuglings.

Anzeichen für sehr hohe Bilirubin-Werte:

  • Gelbfärbung bereits am 1. Lebenstag und länger als 2 Wochen
  • Schlechtes Allgemeinbefinden des Neugeborenen
  • Fieber und schrilles Schreien
  • Brauner Urin und weißlicher Stuhl weißlich
  • Krampfanfälle.

Hinweis: Die "Gelbverfärbung" nach Beginn der Beifütterung ist keine "Gelbsucht", sondern kommt von der Karottennahrung. Sie ist harmlos und wird durch Einlagerung des Karottenfarbstoffs Karotin hervorgerufen. Anders als bei der Gelbsucht ist das Augenweiß nicht verfärbt.

Wann in die Kinderarztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • die Gelbfärbung der Haut länger als bis zum 14. Lebenstag bestehen bleibt
  • die Gelbfärbung intensiver wird
  • gleichzeitig der Urin braun und der Stuhl sehr hell (fast weiß) sind.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Über die Hälfte der Neugeborenen sind während der 1. Lebenswoche mehr oder weniger "gelb". Die Verfärbung wird vom Stoffwechselprodukt Bilirubin verursacht, das beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin anfällt. Während der Schwangerschaft wird das Bilirubin des Ungeborenen über den Mutterkuchen entsorgt. Nach der Geburt muss der Säugling dies selbst übernehmen. Das Bilirubin wird nun in der kindlichen Leber verstoffwechselt und anschließend über den Darm ausgeschieden. Diese Umstellung benötigt meist einige Tage: Denn die Leber des Neugeborenen ist noch unreif und kann die Entsorgung des Bilirubins noch nicht vollständig leisten. Bilirubin, das nicht abgebaut wird, lagert sich somit im Körper ab; es kommt zur Gelbfärbung. Eine Studie weist darauf hin, dass die zeitweilige "Verfärbung" der Neugeborenen sogar nützlich ist: Bilirubin hat für den Stoffwechsel schützende Eigenschaften.

Ursachen der pathologischen Gelbsucht

Die Ursachen für die Gelbsucht beim Neugeborenen sind vielfältig:

Zu geringe Trinkmenge. Eine häufige Ursache ist, dass das Kind in den ersten Lebenstagen wenig trinkt. Dadurch gibt das Neugeborene nur wenig Stuhl ab. Auch das Bilirubin wird deswegen nur in geringen Mengen ausgeschieden. Weil sich das Bilirubin im Darm ansammelt, wird es wieder in den Körperkreislauf rückresorbiert.

Muttermilch-Gelbsucht. Bei einem kleinen Teil der gestillten Kinder wird eine besonders langanhaltende Gelbsucht beobachtet. Sie wird als Muttermilch-Gelbsucht bezeichnet und gilt als harmlos. Wahrscheinlich enthält die Milch mancher Mütter einen bestimmten Stoff, der den Abbau des Bilirubins hemmt. Abstillen ist nicht erforderlich.

Blutgruppenunverträglichkeit. Unterscheiden sich die Blutgruppen von Säugling und Mutter, kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen. Bei der schwersten Form, der Rhesusunverträglichkeit, kommt es zur Zerstörung der roten Blutkörperchen des Säuglings. Da die Verträglichkeit der Blutgruppen heutzutage getestet wird und vorbeugend Medikamente gespritzt werden, tritt diese Form der Gelbsucht seltener auf.

Weitere Ursachen. Seltene Ursachen für Gelbsucht bei Neugeborenen sind eine Frühgeburt, bestimmte Medikamente (z. B. Paracetamol), erbliche Blutkrankheiten, Blutvergiftung (Sepsis), Hautblutungen und Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion).

Risikofaktoren

Frühgeborene. Besonders gefährdet für hohe Bilirubin-Konzentrationen sind Frühgeborene – sowohl bei einer späten Frühgeburt (Schwangerschaftsdauer: < 37. Schwangerschaftswoche) als auch bei einer fast abgeschlossenen Schwangerschaft (Schwangerschaftsdauer: 37.–38. Schwangerschaftswoche). Die Leber von Frühgeborenen ist meistens noch nicht voll ausgereift und kann somit das Bilirubin nur langsam abbauen. Neben der Leber ist zudem auch die so genannte Blut-Hirn-Schranke unreif, sodass das Bilirubin leichter in das Hirngewebe eindringen und dies entzünden kann.

Betroffene Geschwister. Hatten andere Kinder in der Familie die Gelbsucht, besteht das Risiko, dass auch das nächste Neugeborene erkrankt. In diesem Fall müssen besonders auch Erbkrankheiten in Betracht gezogen werden.

Diabetes der Mutter. Leidet die Mutter an Diabetes mellitus, kommt es eher zu einer Neugeborenengelbsucht. Durch die Erkrankung wird das Kind nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, sodass die Organe nicht richtig reifen können. Außerdem bildet das betroffene Kind kompensatorisch mehr rote Blutkörperchen. Somit fällt mehr Bilirubin an, was aber nur schwerer abgebaut werden kann.

Verlauf

Die physiologische Gelbsucht zeigt sich meist am 2. oder 3. Tag nach der Geburt. Zunächst verfärbt sich das Gesicht, auch Augenweiß und Schleimhäute sind betroffen. Schließlich dehnt sie sich den Körper entlang weiter nach unten aus. Unterhalb vom Bauchnabel ist sie meist kaum mehr zu erkennen. Die Gelbfärbung verschwindet in umgekehrter Reihenfolge wieder, sodass zuletzt das Gesicht wieder die normale Hautfarbe annimmt.

Tritt die Gelbfärbung innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt auf, bedarf dies immer einer genaueren Untersuchung. Ebenso sollten Neugeborene, bei denen erst nach dem 3. Tag die Gelbfärbung zu sehen ist, beobachtet werden. Besteht die Gelbsucht über die ersten Lebenswochen hinaus oder ist der Verlauf besonders schwer, so besteht die Möglichkeit, dass das Neugeborene beispielsweise an einer Erbkrankheit, einer Infektion oder einer Stoffwechselerkrankung leidet.

Komplikation

Bilirubin-Enzephalopathie. Gesundheitsgefahr besteht nur dann, wenn das Bilirubin sehr hohe Werte erreicht. In diesen Fällen liegen meist krankhafte Ursachen zugrunde, zum Beispiel eine Blutgruppenunverträglichkeit oder eine Unterfunktion der Schilddrüse. Denn dann lagert sich das Bilirubin auch im Gehirn ab und schädigt so bestimmte Gehirnbereiche. Mediziner*innen bezeichnen dies als Kernikterus oder Bilirubin-Enzephalopathie. Wird die Bilirubin-Enzephalopathie nicht behandelt, drohen schwere Hirnschäden bis hin zum Tod. Da heute alle Neugeborenen routinemäßig untersucht werden, sind diese Formen sehr selten geworden.

Diagnosesicherung

Bei Verdacht auf eine krankhafte Form der Gelbsucht führt die Ärzt*in einen Bluttest durch. Ergibt die Messung einen sehr hohen Bilirubinwert, folgen weitere Untersuchungen, um die genaue Ursache nachzuweisen. Zunächst werden weitere Blutwerte analysiert, wie beispielsweise Entzündungswerte, Leberwerte oder Schilddrüsenparameter. Um eine Blutgruppenunverträglichkeit zu erkennen, werden zusätzlich die Blutgruppen von Mutter und Kind bestimmt.

Behandlung

Handelt es sich um eine normale Neugeborenengelbsucht, so ist meist keine Therapie notwendig.

Fototherapie. Ab einem bestimmten Grenzwert leitet die Ärzt*in eine Fototherapie ein: Dazu wird das Neugeborene nackt in eine Art UV-Solarium gelegt. Dort wird es – ausgestattet mit einer lichtundurchlässigen Brille – mit blau erscheinendem UV-Licht behandelt. Dieses beschleunigt den Abbau von Bilirubin, indem es das Bilirubin in der Haut des Babys so verändert, dass es mit dem Urin ausgeschieden wird. Das Bilirubin muss also nicht mehr über die Leber abgebaut werden.

Inzwischen gibt es spezielle Decken mit eingewobenen lichtleitenden Fasern, in die das Baby wie in einen Strampler eingepackt wird. Der Vorteil: Das Baby wird zu Hause behandelt und muss nicht ins Krankenhaus, wo es meist in einem Brutkasten liegt.

Nebenwirkungen der Fototherapie sind selten, es tritt dennoch vereinzelt ein harmloser, nicht juckender Hautausschlag auf (Exanthem). Da das Neugeborene unter der Lampe leicht schwitzt, sollte es ausreichend zu trinken bekommen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Blutaustauschtransfusionen. Hat die Fototherapie nicht angeschlagen oder liegt der Gelbsucht eine seltene Blutgruppenunverträglichkeit zugrunde, veranlasst die Ärzt*in im Krankenhaus Blutaustauschtransfusionen.

Ernährung. Wird das Neugeborene unzureichend ernährt, besteht die Gefahr, dass sich der Bilirubinspiegel im Blut erhöht. Zum einen liegt das daran, dass sich die Verdauung verlangsamt und deshalb weniger Bilirubin ausgeschieden wird. Zum anderen fehlen Eiweiße, die das Bilirubin binden. Zirkuliert Bilirubin ungebunden im Körper, so gelangt es leichter in das Gehirn. Aus diesem Grund muss das Baby ausreichend gefüttert, am besten gestillt, werden.

Medikamentöse Behandlung. Um einer Austauschtransfusion vorzubeugen, werden in seltenen Fällen intravenöse Immunglobuline in den ersten 4 Lebenstagen eingesetzt. Diese Behandlung wird mit einer intensiven Fototherapie kombiniert.

Prognose

Die Prognose ist bei richtiger Behandlung gut. Auch aufgrund der genauen Richtlinien, die mittlerweile von allen Entbindungsstationen angewendet werden, erzielt die Therapie gute Erfolge. Wird das Neugeborene jedoch nicht adäquat behandelt, besteht die Gefahr einer dauerhaften Hirnschädigung. Dies passiert heutzutage glücklicherweise sehr selten.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Schwere Formen der Gelbsucht werden in der Entbindungsklinik behandelt. Diagnostiziert die Ärzt*in bei Ihrem Baby jedoch nur eine leichte, kontrollbedürftige Gelbsucht, so können Sie das Abklingen der Gelbsucht unterstützen:

  • Natürliche Fototherapie. Setzen Sie Ihr Baby – am besten nackt – in einer warmen Umgebung vor das geschlossene Fenster, sodass es dem durchfallenden Sonnenlicht ausgesetzt ist. Das Glas lässt einen großen Teil des "blauen" Lichtanteils durch. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Ihr Baby keinen Sonnenbrand bekommt.
  • Ausscheidung unterstützen. Bringen Sie die Ausscheidung Ihres Babys in Schwung, indem Sie es möglichst oft an die Brust nehmen. Das häufige Stillen fördert beim Baby die Darmbewegungen, weil auch die Stuhlmengen zunehmen. Durch die erhöhte Stuhlfrequenz wird auch mehr Bilirubin ausgeschieden.
  • Eiweißreich füttern. Ernähren Sie Ihr Baby eiweißreich, indem Sie stillen. Gut geeignet ist Muttermilch, die von Natur aus viel Eiweiß enthält. Das Eiweiß bindet das freie Bilirubin und verhindert, dass es in das Gehirn gelangt. Bei Flaschenkindern kann zusätzlich sogenannte Formula-Nahrung gegeben werden. Tee und Wasser haben hingegen keinen positiven Effekt, auch wenn manche Mütter glauben, das Bilirubin damit zu verdünnen.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit für Kinder, Kösel, München, 8. Auflage (2015). Überarbeitung: Dagmar Fernholz, Bettina Bobinger
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Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.

Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Haut schützen, Auslöser meiden

Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.

Gestörte Hautbarriere

Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.

Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.

Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.

Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.

Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.

Die Hautbarriere stärken

Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.

Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.

Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.

Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.

Richtig baden und waschen

Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.

Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.

Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.

Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.

Den Juckreiz kontrollieren

Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.

Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.

Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.

Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.

Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.

Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.

Auslöser im Blick behalten

Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.

  • Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
  • Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
  • Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
  • Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.

Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.

Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen

Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:

Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.

Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.

Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.

Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.

Keine Angst vor Kortison!

Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.

Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad: 

  • Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet. 
  • An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein. 
  • Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.

Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.

Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.

Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.

Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.

Psychische Belastung ernst nehmen

Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.

Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie 

  • die Erkrankung altersgerecht erklären 
  • das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen 
  • für Verständnis im Umfeld sorgen.

Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..

Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Dinko Kyuchukov / Alamy / Alamy Stock Photos