Gesundheit heute

Gelbsucht beim Neugeborenen

Gelbsucht beim Neugeborenen (Neugeborenen-Ikterus): Gelbfärbung der Haut des Neugeborenen in den ersten Tagen nach der Geburt. Ausgelöst wird die Neugeborenengelbsucht durch eine Ansammlung des Blutabbauprodukts Bilirubin. Grund dafür ist, dass die kindliche Leber die Umstellung vom fetalen auf das "normale" Blut nicht so schnell verkraftet. Dies hat in der Regel keinen Krankheitswert und wird deshalb von den Ärzt*innen auch als physiologische Gelbsucht (d. h. zu den normalen Körperfunktionen gehörige Gelbsucht) bezeichnet. Die Gelbsucht kommt bei etwa 60 % aller gesunden Neugeborenen und rund 80 % aller Frühgeborenen vor. In den meisten Fällen bildet sie sich mit dem Ende der 1. Lebenswoche von selbst zurück.

Selten stecken hinter der Gelbfärbung auch Erkrankungen wie eine Blutvergiftung oder ein Leberschaden. In diesem Fall werden die Säuglinge mit blau erscheinendem UV-Licht behandelt, um den Abbau des Bilirubins zu beschleunigen.

Symptome und Leitbeschwerden

Physiologische Gelbsucht:

  • Beginn der Gelbfärbung um den 2. oder 3. Lebenstag
  • Gelbfärbung von Haut, Augapfel und Schleimhäuten, z. B. am Gaumen
  • Braunfärbung des Urins
  • Helle Stuhlfarbe
  • Evtl. Müdigkeit des Säuglings.

Anzeichen für sehr hohe Bilirubin-Werte:

  • Gelbfärbung bereits am 1. Lebenstag und länger als 2 Wochen
  • Schlechtes Allgemeinbefinden des Neugeborenen
  • Fieber und schrilles Schreien
  • Brauner Urin und weißlicher Stuhl weißlich
  • Krampfanfälle.

Hinweis: Die "Gelbverfärbung" nach Beginn der Beifütterung ist keine "Gelbsucht", sondern kommt von der Karottennahrung. Sie ist harmlos und wird durch Einlagerung des Karottenfarbstoffs Karotin hervorgerufen. Anders als bei der Gelbsucht ist das Augenweiß nicht verfärbt.

Wann in die Kinderarztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • die Gelbfärbung der Haut länger als bis zum 14. Lebenstag bestehen bleibt
  • die Gelbfärbung intensiver wird
  • gleichzeitig der Urin braun und der Stuhl sehr hell (fast weiß) sind.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Über die Hälfte der Neugeborenen sind während der 1. Lebenswoche mehr oder weniger "gelb". Die Verfärbung wird vom Stoffwechselprodukt Bilirubin verursacht, das beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin anfällt. Während der Schwangerschaft wird das Bilirubin des Ungeborenen über den Mutterkuchen entsorgt. Nach der Geburt muss der Säugling dies selbst übernehmen. Das Bilirubin wird nun in der kindlichen Leber verstoffwechselt und anschließend über den Darm ausgeschieden. Diese Umstellung benötigt meist einige Tage: Denn die Leber des Neugeborenen ist noch unreif und kann die Entsorgung des Bilirubins noch nicht vollständig leisten. Bilirubin, das nicht abgebaut wird, lagert sich somit im Körper ab; es kommt zur Gelbfärbung. Eine Studie weist darauf hin, dass die zeitweilige "Verfärbung" der Neugeborenen sogar nützlich ist: Bilirubin hat für den Stoffwechsel schützende Eigenschaften.

Ursachen der pathologischen Gelbsucht

Die Ursachen für die Gelbsucht beim Neugeborenen sind vielfältig:

Zu geringe Trinkmenge. Eine häufige Ursache ist, dass das Kind in den ersten Lebenstagen wenig trinkt. Dadurch gibt das Neugeborene nur wenig Stuhl ab. Auch das Bilirubin wird deswegen nur in geringen Mengen ausgeschieden. Weil sich das Bilirubin im Darm ansammelt, wird es wieder in den Körperkreislauf rückresorbiert.

Muttermilch-Gelbsucht. Bei einem kleinen Teil der gestillten Kinder wird eine besonders langanhaltende Gelbsucht beobachtet. Sie wird als Muttermilch-Gelbsucht bezeichnet und gilt als harmlos. Wahrscheinlich enthält die Milch mancher Mütter einen bestimmten Stoff, der den Abbau des Bilirubins hemmt. Abstillen ist nicht erforderlich.

Blutgruppenunverträglichkeit. Unterscheiden sich die Blutgruppen von Säugling und Mutter, kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen. Bei der schwersten Form, der Rhesusunverträglichkeit, kommt es zur Zerstörung der roten Blutkörperchen des Säuglings. Da die Verträglichkeit der Blutgruppen heutzutage getestet wird und vorbeugend Medikamente gespritzt werden, tritt diese Form der Gelbsucht seltener auf.

Weitere Ursachen. Seltene Ursachen für Gelbsucht bei Neugeborenen sind eine Frühgeburt, bestimmte Medikamente (z. B. Paracetamol), erbliche Blutkrankheiten, Blutvergiftung (Sepsis), Hautblutungen und Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion).

Risikofaktoren

Frühgeborene. Besonders gefährdet für hohe Bilirubin-Konzentrationen sind Frühgeborene – sowohl bei einer späten Frühgeburt (Schwangerschaftsdauer: < 37. Schwangerschaftswoche) als auch bei einer fast abgeschlossenen Schwangerschaft (Schwangerschaftsdauer: 37.–38. Schwangerschaftswoche). Die Leber von Frühgeborenen ist meistens noch nicht voll ausgereift und kann somit das Bilirubin nur langsam abbauen. Neben der Leber ist zudem auch die so genannte Blut-Hirn-Schranke unreif, sodass das Bilirubin leichter in das Hirngewebe eindringen und dies entzünden kann.

Betroffene Geschwister. Hatten andere Kinder in der Familie die Gelbsucht, besteht das Risiko, dass auch das nächste Neugeborene erkrankt. In diesem Fall müssen besonders auch Erbkrankheiten in Betracht gezogen werden.

Diabetes der Mutter. Leidet die Mutter an Diabetes mellitus, kommt es eher zu einer Neugeborenengelbsucht. Durch die Erkrankung wird das Kind nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, sodass die Organe nicht richtig reifen können. Außerdem bildet das betroffene Kind kompensatorisch mehr rote Blutkörperchen. Somit fällt mehr Bilirubin an, was aber nur schwerer abgebaut werden kann.

Verlauf

Die physiologische Gelbsucht zeigt sich meist am 2. oder 3. Tag nach der Geburt. Zunächst verfärbt sich das Gesicht, auch Augenweiß und Schleimhäute sind betroffen. Schließlich dehnt sie sich den Körper entlang weiter nach unten aus. Unterhalb vom Bauchnabel ist sie meist kaum mehr zu erkennen. Die Gelbfärbung verschwindet in umgekehrter Reihenfolge wieder, sodass zuletzt das Gesicht wieder die normale Hautfarbe annimmt.

Tritt die Gelbfärbung innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt auf, bedarf dies immer einer genaueren Untersuchung. Ebenso sollten Neugeborene, bei denen erst nach dem 3. Tag die Gelbfärbung zu sehen ist, beobachtet werden. Besteht die Gelbsucht über die ersten Lebenswochen hinaus oder ist der Verlauf besonders schwer, so besteht die Möglichkeit, dass das Neugeborene beispielsweise an einer Erbkrankheit, einer Infektion oder einer Stoffwechselerkrankung leidet.

Komplikation

Bilirubin-Enzephalopathie. Gesundheitsgefahr besteht nur dann, wenn das Bilirubin sehr hohe Werte erreicht. In diesen Fällen liegen meist krankhafte Ursachen zugrunde, zum Beispiel eine Blutgruppenunverträglichkeit oder eine Unterfunktion der Schilddrüse. Denn dann lagert sich das Bilirubin auch im Gehirn ab und schädigt so bestimmte Gehirnbereiche. Mediziner*innen bezeichnen dies als Kernikterus oder Bilirubin-Enzephalopathie. Wird die Bilirubin-Enzephalopathie nicht behandelt, drohen schwere Hirnschäden bis hin zum Tod. Da heute alle Neugeborenen routinemäßig untersucht werden, sind diese Formen sehr selten geworden.

Diagnosesicherung

Bei Verdacht auf eine krankhafte Form der Gelbsucht führt die Ärzt*in einen Bluttest durch. Ergibt die Messung einen sehr hohen Bilirubinwert, folgen weitere Untersuchungen, um die genaue Ursache nachzuweisen. Zunächst werden weitere Blutwerte analysiert, wie beispielsweise Entzündungswerte, Leberwerte oder Schilddrüsenparameter. Um eine Blutgruppenunverträglichkeit zu erkennen, werden zusätzlich die Blutgruppen von Mutter und Kind bestimmt.

Behandlung

Handelt es sich um eine normale Neugeborenengelbsucht, so ist meist keine Therapie notwendig.

Fototherapie. Ab einem bestimmten Grenzwert leitet die Ärzt*in eine Fototherapie ein: Dazu wird das Neugeborene nackt in eine Art UV-Solarium gelegt. Dort wird es – ausgestattet mit einer lichtundurchlässigen Brille – mit blau erscheinendem UV-Licht behandelt. Dieses beschleunigt den Abbau von Bilirubin, indem es das Bilirubin in der Haut des Babys so verändert, dass es mit dem Urin ausgeschieden wird. Das Bilirubin muss also nicht mehr über die Leber abgebaut werden.

Inzwischen gibt es spezielle Decken mit eingewobenen lichtleitenden Fasern, in die das Baby wie in einen Strampler eingepackt wird. Der Vorteil: Das Baby wird zu Hause behandelt und muss nicht ins Krankenhaus, wo es meist in einem Brutkasten liegt.

Nebenwirkungen der Fototherapie sind selten, es tritt dennoch vereinzelt ein harmloser, nicht juckender Hautausschlag auf (Exanthem). Da das Neugeborene unter der Lampe leicht schwitzt, sollte es ausreichend zu trinken bekommen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Blutaustauschtransfusionen. Hat die Fototherapie nicht angeschlagen oder liegt der Gelbsucht eine seltene Blutgruppenunverträglichkeit zugrunde, veranlasst die Ärzt*in im Krankenhaus Blutaustauschtransfusionen.

Ernährung. Wird das Neugeborene unzureichend ernährt, besteht die Gefahr, dass sich der Bilirubinspiegel im Blut erhöht. Zum einen liegt das daran, dass sich die Verdauung verlangsamt und deshalb weniger Bilirubin ausgeschieden wird. Zum anderen fehlen Eiweiße, die das Bilirubin binden. Zirkuliert Bilirubin ungebunden im Körper, so gelangt es leichter in das Gehirn. Aus diesem Grund muss das Baby ausreichend gefüttert, am besten gestillt, werden.

Medikamentöse Behandlung. Um einer Austauschtransfusion vorzubeugen, werden in seltenen Fällen intravenöse Immunglobuline in den ersten 4 Lebenstagen eingesetzt. Diese Behandlung wird mit einer intensiven Fototherapie kombiniert.

Prognose

Die Prognose ist bei richtiger Behandlung gut. Auch aufgrund der genauen Richtlinien, die mittlerweile von allen Entbindungsstationen angewendet werden, erzielt die Therapie gute Erfolge. Wird das Neugeborene jedoch nicht adäquat behandelt, besteht die Gefahr einer dauerhaften Hirnschädigung. Dies passiert heutzutage glücklicherweise sehr selten.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Schwere Formen der Gelbsucht werden in der Entbindungsklinik behandelt. Diagnostiziert die Ärzt*in bei Ihrem Baby jedoch nur eine leichte, kontrollbedürftige Gelbsucht, so können Sie das Abklingen der Gelbsucht unterstützen:

  • Natürliche Fototherapie. Setzen Sie Ihr Baby – am besten nackt – in einer warmen Umgebung vor das geschlossene Fenster, sodass es dem durchfallenden Sonnenlicht ausgesetzt ist. Das Glas lässt einen großen Teil des "blauen" Lichtanteils durch. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Ihr Baby keinen Sonnenbrand bekommt.
  • Ausscheidung unterstützen. Bringen Sie die Ausscheidung Ihres Babys in Schwung, indem Sie es möglichst oft an die Brust nehmen. Das häufige Stillen fördert beim Baby die Darmbewegungen, weil auch die Stuhlmengen zunehmen. Durch die erhöhte Stuhlfrequenz wird auch mehr Bilirubin ausgeschieden.
  • Eiweißreich füttern. Ernähren Sie Ihr Baby eiweißreich, indem Sie stillen. Gut geeignet ist Muttermilch, die von Natur aus viel Eiweiß enthält. Das Eiweiß bindet das freie Bilirubin und verhindert, dass es in das Gehirn gelangt. Bei Flaschenkindern kann zusätzlich sogenannte Formula-Nahrung gegeben werden. Tee und Wasser haben hingegen keinen positiven Effekt, auch wenn manche Mütter glauben, das Bilirubin damit zu verdünnen.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit für Kinder, Kösel, München, 8. Auflage (2015). Überarbeitung: Dagmar Fernholz, Bettina Bobinger
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Was tun, wenn das Kind fiebert?

Temperaturalarm im Kinderzimmer

Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.

Fieber als Zeichen der Abwehr

Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.

Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.

In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.

Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.

Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab. 

  • Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an. 
  • Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken. 
  • Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.

Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.

Wie misst man Fieber richtig?

Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.

Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.

Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor: 

  • Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
  • Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe). 
  • Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.

Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.

Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.

Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?

In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind 

  • benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
  • schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
  • Krämpfe entwickelt,
  • sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
  • bei Berührung empfindlich ist,
  • ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat 
  • einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder 
  • schwer krank wirkt.

Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.

Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.

Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.

Was tun bei Fieber?

Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.

Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.

  • Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
  • Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
  • Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.

Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.

Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.

Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.

Sind Medikamente bei Fieber nötig?

Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.

Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.

Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.

Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.

Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.

Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.

Erholung muss sein!

Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.

Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.

Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.

Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

Von: Dr. med. Sonja Kempinski