Gesundheit heute
Akuter Schmerz – chronischer Schmerz
Unter dem Begriff Schmerz werden verschiedene Sinneswahrnehmungen zusammengefasst. Der Arzt spricht vom akuten (einmaligen) Schmerz und von den chronischen (dauerhaften oder ständig wiederkehrenden) Schmerzen. Zusätzlich ist die Schmerzintensität von Bedeutung.
- Ein akuter Schmerz ist zeitlich begrenzt und oft die Folge einer Verletzung. In der Therapie gilt es, zuerst die Ursache zu beseitigen. Typische Beispiele sind Schnittverletzungen und kurzzeitig auftretende Kopfschmerzen.
- Chronische Schmerzen liegen vor, wenn die Beschwerden für mindestens drei Monate ständig vorhanden sind oder in regelmäßigen Abständen wiederkehren. Häufig sind chronische Schmerzen nicht nur mit körperlichen Einschränkungen verbunden, sie wirken auch auf die Psyche. Meist haben sie auch störende Auswirkungen auf das berufliche und soziale Umfeld des Betroffenen. Je weiter die Chronifizierung der Schmerzen fortgeschritten ist, desto stärker ist die Lebensqualität gemindert. In vielen Fällen führen starke chronische Schmerzen zu Niedergeschlagenheit, die sich bis zur Depression ausweiten kann. Typische Beispiele für chronische Schmerzen sind regelmäßige Migräneanfälle, dauernde Rückenschmerzen oder der Tumorschmerz bei Krebserkrankungen.
Capsaicin, ein Wirkstoff aus Chili und Paprika, kann neuropathische Schmerzen lindern.
Neuropathische Schmerzen im Visier
Antidepressiva oder Capsaicin?
Gegen das Brennen, Stechen und Kribbeln von neuropathischen Schmerzen ist das rechte Kraut noch nicht gefunden. Viele Wirkstoffe werden eingesetzt, wenige helfen. Welche Medikamente am meisten Erfolg versprechen, hat eine internationale Arbeitsgruppe untersucht.
Besonders häufig beim Diabetes
Neuropathische Schmerzen sind häufig: Bis zu 10 % der Bevölkerung leiden darunter. Sie werden als stechend, brennend und einschießend beschrieben, und manchmal entstehen sie schon bei leichter Berührung. Ganz besonders häufig treten sie im Rahmen eines Diabetes, einer Gürtelrose oder einer Multiplen Sklerose auf.
Sie zu behandeln ist schwierig. Herkömmliche Schmerzmittel bringen wenig bis gar nichts. Aber auch mit den zahlreichen speziell eingesetzten Substanzen oder Methoden wird nur sehr selten eine vollkommene Schmerzfreiheit erreicht. In vielen Fällen ist jedoch zumindest eine gewisse Linderung der Beschwerden möglich.
Drei Wirkstoffe erste Wahl
Forschende haben jetzt anhand von 313 Studien untersucht, welche Ansätze den meisten Erfolg versprechen. Dabei verglichen sie nicht nur die Wirkung der Therapien, sondern auch die Rate an möglichen Nebenwirkungen.
Insgesamt sind die Behandlungserfolge gering, berichten die Forschenden. Am besten war das Nutzen/Risikoverhältnis bei trizyklischen Antidepressiva, Gabapentin und Pregabalin sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern. Diese drei Wirkstoffklassen werden deshalb als erste Wahl zur Behandlung neuropathischer Schmerzen empfohlen.
Auch Pflaster können helfen
Als zweite Wahl stuften die Expert*innen zwei Pflaster ein: Das rezeptpflichtige, nur unter ärztlicher Aufsicht anzuwendende 8%ige Capsaicinpflaster sowie das rezeptfreie 5%ige Lidocainpflaster.
Sind die genannten Therapien erfolglos, gibt es einige weitere Optionen. Dazu gehören die Injektion von Botulinumtoxin, die Gabe von Opioiden oder die transkranielle Magnetstimulation. Insbesondere die letztgenannte Methode sollte in größeren Studien geprüft werden, um mehr Klarheit zu bekommen, wie effektiv und sicher sie ist, betonen die Forschenden.
Quelle: Info Neurologie + Psychiatrie

