Gesundheit heute

Medizintechnische Diagnostik in der Neurologie

Elektroenzephalografie. Die Gehirntätigkeit geht stets mit dem Fließen kleinster elektrischer Ströme und mit Spannungsschwankungen einher, die mithilfe der Elektroenzephalografie, kurz EEG, erfasst werden können. Die Aufzeichnung („Ableitung“) eines EEGs ist schmerzlos und ohne Nebenwirkungen: Es werden etwa 20 kleine Elektroden auf die Kopfhaut aufgesetzt, ggf. mit einer Kappe befestigt und über Kabel mit dem EEG-Gerät verbunden. Die EEG-Aufzeichnung dauert meist 20–30 Minuten. Bis auf einen Verzicht auf anregende Getränke wie Cola oder Kaffee am Untersuchungstag sind keine Einschränkungen zu beachten.

2904_GTVWKY_EEG_Aufzeichnung_Gehirnstroeme_Herdbefunde.png|Bei der rund 20-minütigen EEG-Aufzeichnung werden die Gehirnströme registriert, im PC gespeichert und später halbautomatisch ausgewertet (links die Untersuchungssituation). Sind krankhafte elektrophysiologische Phänomene in allen Ableitungen zu beobachten, spricht man von Allgemeinveränderungen, sind sie lediglich in einem Teil zu beobachten, handelt es sich um Herdbefunde. Nur letztere geben Hinweise auf den Schädigungsort. Das rechte Bild zeigt eine EEG-Aufzeichnung von einigen Sekunden, in der man epilepsietypische Veränderungen mit hohen Zacken sieht (Pfeile).|[GTVW 2904]|Foto einer EEG-Aufnahme am wachen Patienten und zugehöriger EEG-Kurven

Das EEG kann entweder sofort auf Papier gedruckt oder auf einem Computermonitor dargestellt, gespeichert und später ausgedruckt werden. Normal ist ein regelmäßiges Muster feiner Kurven („Wellen“), das sich mit der Aktivität des Gehirns ändert.

Unverzichtbar ist das EEG bei der Diagnostik und Verlaufskontrolle von Epilepsien (Einzelheiten zu den hier angefertigten Spezial-EEGs). Bei unklarer oder länger andauernder Bewusstlosigkeit kann es zur Abschätzung der weiteren Aussichten des Patienten hilfreich sein. Außerdem wird es bei der Untersuchung im Schlaflabor zur Bestimmung der Schlafstadien sowie bei manchen Operationen zur Überwachung der Narkose eingesetzt.

Evozierte Potenziale. Bei der Ableitung der evozierten Potenziale wird die Antwort des Gehirns auf einen definierten Sinnesreiz registriert. Sehen wir z. B. einen Gegenstand an, so führt die Informationsweiterleitung auf ihrem Weg vom Auge zum Gehirn zu ganz regelhaften Änderungen der elektrischen Gehirnaktivität, die sich an bestimmten Stellen der Kopfhaut als typische Kurve registrieren lassen. Erkrankungen, welche die Weiterleitung des Reizes oder seine Verarbeitung im Gehirn beeinträchtigen, verändern die elektrische Gehirnaktivität und damit die evozierten Potenziale.

  • Bei der Messung der visuell evozierten Potenziale (VEP) wird der Sehsinn erregt, indem der Patient ein Schachbrettmuster ansieht oder flackerndem Licht ausgesetzt wird.
  • Entsprechend wird bei den akustisch evozierten Potenzialen (AEP) der Hörsinn angeregt, etwa durch Klicklaute.
  • Wird die Weiterleitung von Reizen aus dem Körper (etwa aus der Haut) zum Gehirn untersucht, handelt es sich um somatosensibel evozierte Potenziale (SSEP).
  • Auch die umgekehrte Leitungsrichtung kann geprüft werden: Bei den motorisch evozierten Potenzialen (MEP) wird die Großhirnoberfläche durch die Kopfhaut hindurch mit einem Magnetfeld stimuliert und die Antwort des Muskels hierauf registriert.

Während VEP und AEP schmerzlos sind, können SSEP und MEP durch die notwendige elektrische Reizung bzw. die unwillkürlichen Muskelzuckungen unangenehm sein. Reichen Oberflächenelektroden nicht aus, müssen Nadelelektroden benutzt werden, bei denen zusätzlich der Einstich der Nadel spürbar ist.

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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K2 gegen Wadenkrämpfe

Frauen sind von nächtlichen Wadenkrämpfen häufiger betroffen als Männer.

K2 gegen Wadenkrämpfe

Anzahl und Intensität reduziert

Nächtliche Wadenkrämpfe sind schmerzhaft und können die Nachtruhe erheblich stören. Womöglich lassen sich die Beschwerden mit Vitamin K2 lindern.

Täglich 180 Mikrogramm Vitamin K2

Gegen nächtliche Wadenkrämpfe gibt es bisher noch keine Therapie, die sowohl effektiv als auch verträglich ist. So konnte für die gern empfohlenen Magnesiumpräparate in Studien noch keine Wirksamkeit belegt werden. Chinin dämmt Wadenkrämpfe zwar ein, kann dabei allerdings Nebenwirkungen wie Tinnitus, Schwindel oder sogar Blutbildveränderungen auslösen. Doch jetzt gibt es Hoffnung für Betroffene: Einer chinesischen Studie zufolge soll Vitamin K2 nächtliche Wadenkrämpfe lindern.

Knapp 200 Menschen in einem Alter von über 65 Jahren hatten an der Untersuchung teilgenommen. Die Hälfte nahm gegen ihre nächtlichen Wadenkrämpfe über acht Wochen hinweg täglich eine Kapsel mit 180 Mikrogramm Vitamin K2. Die übrigen bekamen gleich aussehende Kapseln mit Placebo.

Deutlich seltener Krämpfe

Im Durchschnitt hatten die Teilnehmenden 2,6 (Vitamin-K-Gruppe) bzw. 2,7 nächtliche Wadenkrämpfe pro Woche. Unter der Einnahme von Vitamin K2 reduzierte sich die Anzahl der Krämpfe auf 0,96 pro Woche. In der Placebogruppe stieg die durchschnittliche Zahl der wöchentlichen Krampfanfälle sogar auf 3,6/Woche leicht an.

Doch nicht nur die Häufigkeit der Wadenkrämpfe wurde durch Vitamin K2 verringert. Auch ihre Intensität und ihre jeweilige Dauer gingen unter Vitamin K2 stärker zurück als unter Placebo. Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen nicht aufgetreten.

Vor Einnahme Rücksprache halten

Vitamin K2 ist eine Form von Vitamin K und unterstützt den Knochenaufbau und die Blutgerinnung. Natürlich kommt es vor allem in tierischen Produkten wie Eiern und Fleisch vor. Es gibt Vitamin K2 aber auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tropfen, Tabletten oder Kapseln.

Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten jedoch vor der Einnahme mit ihrer Ärzt*in Rücksprache halten. Das gilt insbesondere für Patient*innen, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen – denn Vitamin K2 kann deren Wirkung hemmen.

Quelle: Ärzteblatt

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Zoonar GmbH / Alamy / Alamy Stock Photos