Gesundheit heute

Die mediterrane Ernährung

Während die Empfehlungen zur vollwertigen Ernährung auf Basis wissenschaftlicher Annahmen über die Wirkung einzelner Nahrungsbestandteile entwickelt wurden, gingen die Befürworter*innen der mediterranen Ernährung (Mittelmeerkost) einen ganz anderen Weg. Sie beobachteten in den 1950er-Jahren, dass die Bevölkerung von Kreta, die sich damals noch stark nach der traditionellen Ernährungsart des Mittelmeerraums richtete, im Vergleich mit anderen europäischen Ländern und den USA die längste Lebenserwartung und die geringste Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatte. Die traditionellen Ernährungsgewohnheiten des Mittelmeerraums, schlossen die Wissenschaftler, stellen womöglich die in einem jahrhundertealten Experiment bestätigte gesündeste Art der Ernährung dar.

0411_ASM_mediterrane_Essenspyramide.png|Die mediterrane Essenspyramide. Sie gibt die traditionellen Essensgewohnheiten im Mittelmeerraum wieder, wo ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten bis vor kurzem selten waren. Unter anderem wegen des Reichtums an löslichen und unlöslichen Faserstoffen und dem hohen Anteil an gesunden Fettsäuren (etwa im Olivenöl) gilt die Mittelmeerkost heute als ernährungsphysiologisches Idealmodell. |[ASM 0411]|Essenspyramide in der mediterranen Ernährung

Was ist die mediterrane Ernährung?

In den 16 Anrainerstaaten des Mittelmeers wird unterschiedlich gegessen, aber manche Gewohnheiten überschneiden sich stark und sind vor allem in der traditionellen Ernährung Griechenlands und Süditaliens zu finden:

  • Täglicher Verzehr von Früchten, Gemüse, nicht geschältem Getreide und Milchprodukten
  • Olivenöl als hauptsächliches Koch- und Speisefett
  • Moderater Verzehr von Geflügelfleisch, Nüssen, Kartoffeln und Eiern
  • Häufiger Verzehr von Fisch
  • Seltener Verzehr von rotem Fleisch
  • Täglicher moderater Genuss von Wein
  • Die frische Zubereitung der Mahlzeiten und der Verzicht auf industriell vorgefertigte Nahrung.

Die mediterrane Ernährung wird immer wieder als mediterrane Diät bezeichnet. Dies rührt daher, dass im Englischen „diet“ sowohl Ernährung als auch Diät heißt. Es handelt sich jedoch um eine traditionelle Form der Ernährung, nicht um eine Diät, die man ein paar Monate lang ausprobiert.

Wie wirkt die mediterrane Ernährung?

Je genauer die Ernährungswissenschaftler*innen die Inhaltsstoffe der mediterranen Ernährung untersuchten, desto plausibler erschien ihnen ihre gesundheitlich positive Wirkung:

  • Der hohe Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren sowie der hohe Anteil an Omega-3-Fettsäuren verbessert das Blutfettprofil.
  • Zudem schützen möglicherweise die vielen sekundären Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse die Gefäße, wie etwa das antioxidativ wirkende Vitamin E, Flavonoide und andere Phenole. Gerade das Olivenöl zeichnet sich durch einen sehr hohen Phenolgehalt aus.
  • Der hohe Anteil an löslichen Faserstoffen wirkt positiv auf den Kohlenhydratstoffwechsel und sorgt für eine hohe Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin. Dies ist wichtig zur Verhinderung des metabolischen Syndroms.

Interessant an der mediterranen Ernährung ist der – mit bis zu 40 % – relativ hohe Fettanteil. Allerdings liegen die Fettsäuren in einem anderen Verhältnis vor als in der gängigen modernen Kost: Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren liegt bei 1,5:1 – und ist damit etwa zehnmal niedriger als in der modernen westlichen Ernährung.

Dass die mediterrane Ernährung sich in der Praxis bewährt, zeigen große Studien. So wurde bei Patient*innen mit metabolischem Syndrom das Risiko für eine Herzgefäßerkrankung durch Wechsel auf eine Mittelmeerkost um 35 % gesenkt. Auch nach einem Herzinfarkt kann die Umstellung weitere Gefäßkomplikationen verhindern helfen. Und schon nach drei Monaten lassen sich bei einer Umstellung auf mediterrane Ernährung ein niedrigerer Blutdruck und eine Besserung der Blutfette beobachten. Kein Wunder, dass inzwischen einzelne Komponenten der Mittelmeerkost auch Eingang in die Empfehlungen zur vollwertigen Ernährung gefunden haben, insbesondere die Pflanzenöle und der reichliche Verzehr von Obst und Gemüse. Außerdem schmeckt die Mittelmeerkost auch noch gut und ist ausgesprochen leicht zuzubereiten.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
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Welches Zeitfenster ist das beste?

Bei Intervallfasten ist Essen nur in einem bestimmten Zeitraum des Tages erlaubt.

Welches Zeitfenster ist das beste?

Essen nach der Uhr

Immer mehr Deutsche sind zu dick. Der Wunsch nach Abnehmen ist deshalb ein Dauerbrenner – nicht nur als guter Vorsatz beim Jahreswechsel. Intervallfasten kann dabei helfen. Doch welches Zeitfenster ist das beste dafür?

Intervallfasten erleichtert Kalorienreduktion

Viele Abspeckwillige setzen beim Abnehmen auf Intervallfasten. Dabei wird nur in einem meist achtstündigen Zeitfenster gegessen und in den restlichen 16 Stunden konsequent auf eine Nahrungsaufnahme verzichtet – kalorienarme Getränke sind währenddessen erlaubt.

Dass Intervallfasten bei der Gewichtsabnahme helfen kann, wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Allerdings diskutieren die Expert*innen noch über das beste Zeitfenster für die Essensaufnahme. Eine spanische Arbeitsgruppe hat deshalb untersucht, ob es einen Unterschied macht, wann man mit dem achtstündigen Essensaufnahmefenster beginnt. 197 übergewichtige Männer und Frauen nahmen an der Studie teil. Sie alle aßen normalerweise in einem mehr als zwölfstündigen Zeitraum und hatten einen bewegungsarmen Lebensstil.

Ab 10 Uhr oder ab 13 Uhr?

Die Teilnehmer*innen wurden in vier Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 aß weiter wie zuvor und erhielt eine Schulung zu Ernährung und Bewegung. Die anderen drei Gruppen hielten stattdessen ein achtstündiges Essensaufnahmefenster ein. Gruppe 2 begann damit um 10 Uhr, Gruppe 3 um 13:00 und Gruppe 4 wählte ihre acht Essensstunden frei. Die restlichen 16 Stunden wurde gefastet.

Nach zwölf Wochen hatten die Teilnehmer*innen aller drei Intervallfasten-Gruppen mehr Gewicht reduziert als diejenigen, die wie gewohnt weitergegessen hatten. Die Gruppe mit dem frühen Essensfenster nahm durchschnittlich 2,9 kg ab, die mit spätem Essensbeginn 2,4 kg und diejenigen, die ihr Fenster frei gewählt hatten, 3,1 kg.

Bauchfett bleibt ungerührt

Mithilfe der Magnetresonanztomografie wurde in der Studie auch das Bauchfett vor und nach der zwölfwöchigen Diätphase gemessen. Das ist wichtig, weil dieses Fett entzündungsfördernd ist und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Bei der Menge des Bauchfetts fanden sich allerdings keine Unterschiede zwischen den Gruppen, egal ob frühes, späteres oder gar kein Intervallfasten. Auf das Bauchfett hatte das Intervallfasten also keinen Einfluss.

Intervallfasten kann zu einem erheblichen Gewichtsverlust führen – auch ohne eine spezifische Beratung zu Kalorienbeschränkung, schreibt die spanische Autorengruppe. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die achtstündige Essensaufnahmezeit um 10:00 oder um 13:00 beginnt – die dadurch erzielte Gewichtsabnahme ist offenbar vergleichbar.

Quelle: Medscape

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Florin Lupsa / Alamy / Alamy Stock Photos