Gesundheit heute

Die vollwertige Ernährung

Die ersten wissenschaftlich fundierten Ernährungsempfehlungen kamen vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA). Die regelmäßigen Aktualisierungen sind inzwischen viele hundert Seiten schwer – das meiste davon findet sich wenig später auch in den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wieder. Allerdings gibt es begriffliche Unterschiede: Während die auf wissenschaftlicher Grundlage empfohlene Ernährung von der USDA als balanced diet (ausgewogene Kost) bezeichnet wird, nennt die DGE ihre Empfehlung inzwischen vollwertige Ernährung.

Hier kommt es leicht zu Verwechslungen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung liegt mit der vollwertigen Ernährung sprachlich sehr nahe bei der ursprünglich von Prof. Kollath in den 1970er-Jahren propagierten Vollwert-Ernährung, die damals mit ihrer Betonung von Frischkost, Vollkorn und Gemüse eine Außenseiter-Methode war.

Inzwischen liegen Vollwert- und vollwertige Ernährung inhaltlich näher beieinander – denn auch die DGE propagiert heute eine stark auf Gemüse, Obst und Vollgetreide basierende Kost. Der größte Unterschied liegt darin, dass die Vollwert-Ernährung stärker die Herstellung und Verarbeitung der Lebensmittel betont – sie fordert zum Beispiel eine überwiegend ökologische und sozial gerechte Produktion sowie umweltfreundliche Verarbeitung, Vermarktung und Verpackung. Auch verzichtet die Vollwert-Ernährung so weit es geht auf Zusatzstoffe und die industrielle Bearbeitung von Lebensmitteln.

Die neuesten USDA-Empfehlungen

Fasst man die neuesten wissenschaftlichen Empfehlungen zur vollwertigen Ernährung zusammen, so lassen sich – in Anlehnung an die 2005 veröffentlichten dietary guidelines der USDA – folgende Regeln festmachen:

Fette. Gesättigte Fette, wie sie etwa in Wurstwaren reichlich vorkommen sollen begrenzt werden, und zwar auf unter 10 % der gesamten Kalorienzufuhr. Die Gesamtmenge an Fett soll „20–35 % der Kalorien nicht übersteigen“. Als geeignete Quellen gesunden Fetts werden Fisch, Nüsse und Pflanzenöle mit einem hohen Gehalt an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren empfohlen. Trans-Fette sollen „so wenig wie möglich“ konsumiert werden.

Energiebedarf. Hier wird stark auf das Bilanzprinzip abgehoben. Die Menge der aufgenommenen Kalorien soll sich nach dem Ausmaß der Bewegung richten. Um der allmählichen Gewichtszunahme im Erwachsenenalter entgegenzuwirken, wird empfohlen, die Kalorienzufuhr im Laufe des Erwachsenenalters langsam zu reduzieren und sich gleichzeitig mehr zu bewegen.

Eiweiß. Der Eiweißbedarf soll sowohl durch pflanzliches als auch tierisches Eiweiß abgedeckt werden. Für eine ausgewogene Ernährung reicht es völlig aus, zweimal pro Woche Fisch oder Fleisch zu essen. Die restliche Proteinversorgung sollte aus pflanzlichem Eiweiß und Milchprodukten bestehen.

Obst und Gemüse. Anstatt wie bisher pauschal fünf Portionen Obst oder Gemüse pro Tag zu empfehlen, sollen aufgrund der neuen Erkenntnisse über die Rolle der sekundären Pflanzenstoffe täglich zweieinhalb Portionen Gemüse verzehrt werden (aus allen Gemüsegruppen) sowie zwei Portionen Früchte.

Süßigkeiten. Süßes sollte, wenn überhaupt, nach den Mahlzeiten genossen werden. Zudem wird empfohlen, nicht nur den Zuckerkonsum, sondern auch kalorienhaltige Zuckeraustauschstoffe zu reduzieren – eine Breitseite gegen Diät-Produkte, in denen oft Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit und Mannit enthalten sind.

Ausdrücklich wird auch vor einer zu hohen Zufuhr von Fruchtzucker (Fruktose) gewarnt, und das nicht ohne Grund: Wird sie in hohen Konzentrationen genossen, so ist mit einer noch stärkeren Insulinantwort zu rechnen als bei anderen Zuckerarten. Auf eine starke Insulinantwort folgen nicht nur stärkere Hungersignale, sondern möglicherweise auch eine stärkere Gewichtssteigerung [266]. Fruchtzucker ist etwa in vielen Süßigkeiten und Getränken in Form von high fructose corn syrup (HFCS) enthalten.

Bewegung. Die Bedeutung der Bewegung wird explizit betont. Zur Verhinderung chronischer Krankheiten werden „mindestens 30 Minuten Bewegung an den meisten Tagen der Woche“ empfohlen, bei Gewichtsproblemen sogar 60 Minuten.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
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Faktencheck Krebsdiäten

Bei einem Tumorleiden ist es vor allem wichtig, sich gesund und nicht einseitig zu ernähren.

Faktencheck Krebsdiäten

Nützlich oder schädlich?

Viele Menschen mit Krebs hoffen, den Tumor durch eine spezielle Ernährung beeinflussen zu können. Doch eine neue Leitlinie macht deutlich: Für Krebsdiäten gibt es keinen belegten Nutzen. Und wenn sie zu einer Mangelernährung führen, können sie sogar gefährlich werden.

Mythos: Den Tumor „aushungern“

Nach einer Krebsdiagnose suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, selbst aktiv gegen ihre Erkrankung anzugehen. Häufig rückt dabei die Ernährung in den Fokus. Im Internet werden z. B. etliche Ernährungsformen angepriesen, die das Tumorwachstum bremsen oder Krebszellen „aushungern“ sollen. Um hier Klarheit zu schaffen, haben Fachleute die Daten zu verschiedenen Konzepten geprüft und in einer Leitlinie zur Ernährung bei Tumorerkrankung zusammengefasst.

Diese Diäten werden nicht empfohlen

Analysiert wurden dabei insbesondere Studien zu Fastenkonzepten, zur ketogener Ernährung sowie zu den beiden Krebsdiäten nach Budwig und Breuß. Letztere sollen Krebs heilen und Metastasen reduzieren.

Das Ergebnis: Für keine dieser Ernährungsformen konnte ein gesicherter Nutzen bei Krebserkrankungen nachgewiesen werden. Daher werden sie nicht als Bestandteil der Krebstherapie empfohlen.

Für die vegetarische und die vegane Ernährung während einer Tumortherapie können die Fachleute weder eine Empfehlung noch eine Ablehnung aussprechen, da es dazu bisher zu wenig Daten gibt. Sie betonen allerdings: Wenn Krebserkrankte sich vegetarisch oder vegan ernähren möchten, sollten sie auf genug Energie, Eiweiß, Vitamine und Nährstoffe achten.

Warum Krebsdiäten problematisch sein können

Sogenannte Krebsdiäten sind aber offenbar nicht nur nutzlos – sie können auch schaden. Denn viele Krebspatient*innen verlieren im Verlauf der Erkrankung oder durch die Behandlung an Gewicht und Muskelmasse. Strenge Diäten oder längere Fastenphasen erhöhen dieses Risiko zusätzlich. Ein Mangel an Eiweißen oder Nährstoffen begünstigt zudem, dass die Krebsbehandlung weniger verträglich wird und vermehrt Behandlungskomplikationen auftreten.

Was stattdessen empfohlen wird

Wichtig ist deshalb, ausreichend Energie und vor allem Eiweiß zuzuführen. Im Zweifel sollte der Ernährungszustand regelmäßig überprüft werden. Zeigen sich Hinweise auf eine Mangelernährung, hilft eine qualifizierte Ernährungsberatung. Reicht die normale Ernährung nicht aus, können – je nach Situation – angereicherte Speisen, Trinknahrung oder weitere ernährungstherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein.

Insgesamt raten Fachleute Betroffenen zur besonderen Vorsicht bei Diäten oder Ernährungsversprechen, die eine Wirkung gegen Krebs in Aussicht stellen. Vor einer Ernährungsumstellung sollte man immer mit dem Behandlungsteam oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft sprechen. So lässt sich vermeiden, dass der Körper während der Krebstherapie wichtige Energie und Nährstoffe verliert.

Quelle: Springer Medizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Tetra Images / Cultura Creative