Gesundheit heute
Psychische Veränderungen im Alter
Viele Menschen bemerken mit 60, 70 oder 75, dass sie den Alltag anders erleben. Die Veränderungen im Gefühlshaushalt (Psyche) sind individuell verschieden, aber durch drei Grundlinien charakterisiert:
- Die Ausschläge zwischen entgegengesetzten emotionalen Polen werden kleiner, also etwa zwischen himmelhoch jauchzend und tief betrübt.
- Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale, die den Betreffenden schon als jungen Menschen auszeichneten, verstärken sich.
- Introvertiertes, also abschirmendes, zögerndes Verhalten nimmt eher zu, während extrovertiertes, also aus sich herausgehendes, offenes Verhalten eher abnimmt.
Die Veränderungen der Emotionalität des alternden Menschen werden leider oft verzerrt wahrgenommen, nämlich als unabänderlicher „Abbau“ in Richtung Depression, Traurigkeit und Unzufriedenheit mit dem Leben. „Wie könnte es anders sein, wenn man den langsamen ‚Verfall’ des eigenen Körpers miterlebt?“ werden sich viele junge Menschen fragen. Diese Perspektive ist jedoch irreführend.
Richtig ist, dass die Zufriedenheit mit Gesundheit und auch Sexualität mit zunehmendem Alter abnimmt, wie eine repräsentative Befragung von 2 000 Frauen und Männern aus dem Jahr 2002 zeigt. Entscheidend ist aber auch, dass in anderen Bereichen wie Wohnen und Finanzen sowie bei Männern in der Partnerschaft die Zufriedenheit im Alter steigt. Insgesamt bleibt deshalb die Lebenszufriedenheit bis ins hohe Alter weitgehend konstant und erfährt erst kurz vor dem Tod einen Einbruch.
Wichtig für diese Stabilität sind soziale und persönliche Ressourcen. Dagegen bedrohen Arbeitslosigkeit, geringes Haushaltseinkommen, fehlende feste Partnerschaft, soziale Isolation, Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, exzessive Leistungsorientierung und eine negativ gefärbte Selbsteinschätzung und -wahrnehmung die Lebenszufriedenheit im Alter.
Der Nutzen von Vitamininfusionen bei gesunden Menschen ist bisher nicht belegt.
Behörde warnt vor Longevity-Infusionen
Fragwürdige Vitamincocktails
Infusionen mit Vitaminen und Aminosäuren gelten auf Social Media als neuer Gesundheitstrend. Unter Schlagworten wie „Longevity“ oder „Biohacking“ werden mehr Schönheit, Energie und gesundes Altern versprochen. Fachleute warnen jedoch vor unterschätzten Risiken.
Aus der Klinik in den Beauty-Salon
Was früher vor allem in Krankenhäusern eingesetzt wurde, ist inzwischen Teil der Wellness-Industrie geworden: Infusionen mit hochdosierten Vitaminen, Spurenelementen oder Aminosäuren werden heute als Lifestyle-Produkt vermarktet. Unter Namen wie „Vitamin Drip“, „NAD+-Therapie“ oder „Longevity-Infusion“ sollen sie Müdigkeit vertreiben, das Aussehen optimieren, die Konzentration steigern und sogar den Alterungsprozess verlangsamen.
Inzwischen gibt es auch in vielen deutschen Großstädten sogenannte Infusions-Lounges, in denen Kund*innen individuell zusammengestellte Vitamin- und Nährstoffcocktails über die Vene erhalten. Die Kosten liegen oft bei mehreren hundert Euro pro Behandlung.
Nutzen bisher kaum belegt
Doch der wissenschaftliche Nutzen solcher Infusionen ist bislang kaum belegt. Darauf weist auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hin. Die Behörde warnt ausdrücklich davor, Wellness-Infusionen mit medizinisch notwendigen Infusionstherapien gleichzusetzen. Während Infusionen mit Vitaminen oder Nährstoffen in der Medizin bei bestimmten Erkrankungen oder Mangelzuständen wichtig und sinnvoll sein können, fehlen für Anwendungen bei gesunden Menschen aussagekräftige Studien.
Es drohen Überdosierungen, Kreislaufprobleme und Infektionen
Viele der beworbenen Effekte – etwa mehr Energie, ein stärkeres Immunsystem oder „Healthy Aging“ – sind wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Gleichzeitig können die Behandlungen Risiken mit sich bringen. Laut BfArM drohen unter anderem Überdosierungen bestimmter Vitamine, Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts oder allergische Reaktionen.
Auch typische Komplikationen intravenöser Anwendungen wie Kreislaufprobleme oder Infektionen sind möglich. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Weder die Qualität noch die Sicherheit vieler verwendeter Infusionsmischungen ist belegt.
Besonders vorsichtig sollten ältere Menschen sowie Personen mit Herz-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen sein. Denn gerade bei ihnen kann der Körper empfindlich auf hochdosierte Infusionen reagieren.

