Gesundheit heute
Herz-Kreislauf-System im Alter
Das Altern von Herz und Gefäßen macht sich vor allem in der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Belastungen bemerkbar. Denn ab dem 30. Lebensjahr lassen Gefäßelastizität und Herzmuskelkraft merklich nach. Die bereits mit der Geburt beginnende Arteriosklerose verstärkt diesen Prozess.
Es ist auch über 60 noch möglich, körperlich belastende Situationen zu meistern, aber eben nicht mehr die gleichen wie mit 20. Die nachlassende Gefäßelastizität und Herzmuskelkraft fordern immer häufiger ihren Tribut: die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Neigung zu Bluthochdruck verstärkt sich, die Kreislaufreflexe verzögern sich (mit der Folge z.B. orthostatischer Dysregulation), es kommt zu Schwindelgefühlen und kurzen Ohnmachtsanfällen (Synkopen) beim Aufstehen oder bei einem Lagewechsel. Unbehandelter Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes und hohe Blutfettwerte beschleunigen die Alterung des Herz-Kreislauf-Systems.
Dass sich die Herzleistung an unterschiedliche Erfordernisse immer schlechter anpasst, betrifft auch das nächtliche Wasserlassen (Nykturie), über das viele alte Menschen klagen. Dies hat weniger mit den Nieren als vielmehr mit der verringerten Pumpleistung des Herzens tagsüber zu tun. Durch sie „versackt“ das Blut tagsüber – der Schwerkraft folgend – in den Beinen, wodurch es zu Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe) kommt. Im Bett liegend fließen während der Nacht diese Wasseransammlungen zum Herzen zurück und kurbeln die nächtliche Harnproduktion an.
Der Nutzen von Vitamininfusionen bei gesunden Menschen ist bisher nicht belegt.
Behörde warnt vor Longevity-Infusionen
Fragwürdige Vitamincocktails
Infusionen mit Vitaminen und Aminosäuren gelten auf Social Media als neuer Gesundheitstrend. Unter Schlagworten wie „Longevity“ oder „Biohacking“ werden mehr Schönheit, Energie und gesundes Altern versprochen. Fachleute warnen jedoch vor unterschätzten Risiken.
Aus der Klinik in den Beauty-Salon
Was früher vor allem in Krankenhäusern eingesetzt wurde, ist inzwischen Teil der Wellness-Industrie geworden: Infusionen mit hochdosierten Vitaminen, Spurenelementen oder Aminosäuren werden heute als Lifestyle-Produkt vermarktet. Unter Namen wie „Vitamin Drip“, „NAD+-Therapie“ oder „Longevity-Infusion“ sollen sie Müdigkeit vertreiben, das Aussehen optimieren, die Konzentration steigern und sogar den Alterungsprozess verlangsamen.
Inzwischen gibt es auch in vielen deutschen Großstädten sogenannte Infusions-Lounges, in denen Kund*innen individuell zusammengestellte Vitamin- und Nährstoffcocktails über die Vene erhalten. Die Kosten liegen oft bei mehreren hundert Euro pro Behandlung.
Nutzen bisher kaum belegt
Doch der wissenschaftliche Nutzen solcher Infusionen ist bislang kaum belegt. Darauf weist auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hin. Die Behörde warnt ausdrücklich davor, Wellness-Infusionen mit medizinisch notwendigen Infusionstherapien gleichzusetzen. Während Infusionen mit Vitaminen oder Nährstoffen in der Medizin bei bestimmten Erkrankungen oder Mangelzuständen wichtig und sinnvoll sein können, fehlen für Anwendungen bei gesunden Menschen aussagekräftige Studien.
Es drohen Überdosierungen, Kreislaufprobleme und Infektionen
Viele der beworbenen Effekte – etwa mehr Energie, ein stärkeres Immunsystem oder „Healthy Aging“ – sind wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Gleichzeitig können die Behandlungen Risiken mit sich bringen. Laut BfArM drohen unter anderem Überdosierungen bestimmter Vitamine, Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts oder allergische Reaktionen.
Auch typische Komplikationen intravenöser Anwendungen wie Kreislaufprobleme oder Infektionen sind möglich. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Weder die Qualität noch die Sicherheit vieler verwendeter Infusionsmischungen ist belegt.
Besonders vorsichtig sollten ältere Menschen sowie Personen mit Herz-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen sein. Denn gerade bei ihnen kann der Körper empfindlich auf hochdosierte Infusionen reagieren.

