Gesundheit heute
CR-Mimetika
Da Kalorienreduktion einer der zumindest theoretisch vielversprechendsten Anti-Aging-Ansätze ist, diese von den meisten Menschen aber nur schwer umgesetzt werden kann, ruhen große Hoffnungen auf den CR-Mimetika (CR = Calorie Restriction). CR-Mimetika sollen den Stoffwechsel und die Hormone genauso günstig beeinflussen wie eine Kalorienreduktion, allerdings ohne dass letztere tatsächlich stattfindet. Sie täuschen dem Körper sozusagen eine verminderte Nahrungszufuhr vor.
Das derzeit am besten untersuchte CR-Mimetikum ist Resveratrol, ein sekundärer Pflanzenstoff, der unter anderem in der roten Weintraube vorkommt. Versuche an Tieren zeigen, dass Resveratrol ein am Alterungsprozess beteiligtes Gen stummschalten und die Lebenszeit von Hefen um immerhin 60 %, die von Fliegen und Würmern um 30 % verlängern kann. Bei übergewichtigen Mäusen ließen sich durch die Gabe von Resveratrol zudem positive Wirkungen auf den Stoffwechsel erzielen. Allerdings: Ob diese Wirkungen auch beim Menschen zum Tragen kommen, bleibt abzuwarten. Die bei den Versuchen mit Mäusen verwendeten Dosen entsprachen, auf das Gewicht des Menschen übertragen, immerhin einem Konsum von 100 Flaschen Rotwein.
Der Nutzen von Vitamininfusionen bei gesunden Menschen ist bisher nicht belegt.
Behörde warnt vor Longevity-Infusionen
Fragwürdige Vitamincocktails
Infusionen mit Vitaminen und Aminosäuren gelten auf Social Media als neuer Gesundheitstrend. Unter Schlagworten wie „Longevity“ oder „Biohacking“ werden mehr Schönheit, Energie und gesundes Altern versprochen. Fachleute warnen jedoch vor unterschätzten Risiken.
Aus der Klinik in den Beauty-Salon
Was früher vor allem in Krankenhäusern eingesetzt wurde, ist inzwischen Teil der Wellness-Industrie geworden: Infusionen mit hochdosierten Vitaminen, Spurenelementen oder Aminosäuren werden heute als Lifestyle-Produkt vermarktet. Unter Namen wie „Vitamin Drip“, „NAD+-Therapie“ oder „Longevity-Infusion“ sollen sie Müdigkeit vertreiben, das Aussehen optimieren, die Konzentration steigern und sogar den Alterungsprozess verlangsamen.
Inzwischen gibt es auch in vielen deutschen Großstädten sogenannte Infusions-Lounges, in denen Kund*innen individuell zusammengestellte Vitamin- und Nährstoffcocktails über die Vene erhalten. Die Kosten liegen oft bei mehreren hundert Euro pro Behandlung.
Nutzen bisher kaum belegt
Doch der wissenschaftliche Nutzen solcher Infusionen ist bislang kaum belegt. Darauf weist auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hin. Die Behörde warnt ausdrücklich davor, Wellness-Infusionen mit medizinisch notwendigen Infusionstherapien gleichzusetzen. Während Infusionen mit Vitaminen oder Nährstoffen in der Medizin bei bestimmten Erkrankungen oder Mangelzuständen wichtig und sinnvoll sein können, fehlen für Anwendungen bei gesunden Menschen aussagekräftige Studien.
Es drohen Überdosierungen, Kreislaufprobleme und Infektionen
Viele der beworbenen Effekte – etwa mehr Energie, ein stärkeres Immunsystem oder „Healthy Aging“ – sind wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Gleichzeitig können die Behandlungen Risiken mit sich bringen. Laut BfArM drohen unter anderem Überdosierungen bestimmter Vitamine, Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts oder allergische Reaktionen.
Auch typische Komplikationen intravenöser Anwendungen wie Kreislaufprobleme oder Infektionen sind möglich. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Weder die Qualität noch die Sicherheit vieler verwendeter Infusionsmischungen ist belegt.
Besonders vorsichtig sollten ältere Menschen sowie Personen mit Herz-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen sein. Denn gerade bei ihnen kann der Körper empfindlich auf hochdosierte Infusionen reagieren.

