Gesundheit heute

Kohlenhydratreduzierte Diäten

Schon Kinder träumen davon, die Wurst ohne das Brot zu essen. Genau dieses ist das Prinzip der bis vor Kurzem recht populären Atkins-Diät. Der amerikanische Kardiologe Atkins revolutionierte die Diät-Szene in den 1970er-Jahren, indem er behauptete, auf die Menge der zugeführten Kalorien käme es gar nicht an, vielmehr sei entscheidend, weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, denn diese würden durch den nach dem Essen einsetzenden Blutzuckerabfall den Appetit wieder anregen. Die auch als Low-carb-Diät (kohlenhydratreduzierte Diät) bezeichnete Atkins-Diät sieht deshalb weniger als 10 % der Kalorien in Form von Kohlenhydraten vor, Fett kann dagegen nach Belieben gegessen werden. Zusätzlich werden Vitamin- und Mineraltabletten empfohlen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Wie andere Diäten, so funktioniert auch die Atkins-Diät kurzfristig (über 12–18 Monate) ganz gut – wenn sie durchgehalten wird. Wegen der recht eingeschränkten Nahrungsmittelauswahl (vor allem Fleisch, Eier, Käse) und auch der recht beträchtlichen Zusatzkosten beim Einkauf bleiben allerdings nur 50 % der Probanden nach einem Jahr bei dieser Diät.

Es ist zu vermuten, dass die kohlenhydratreduzierten Diäten vor allem durch eine Unterdrückung des Appetits funktionieren, denn obwohl sie essen dürfen, so viel sie wollen, essen die Teilnehmer in der Tat weniger Kalorien [245]. Dies könnte daran liegen, dass die Atkins-Diät im Blut eine leichte Übersäuerung auslöst, durch die der Appetit gebremst wird. Die Gewichtsabnahme könnte zudem dadurch hervorgerufen werden, dass der hohe Eiweißanteil eine stärkere Wärmebildung (Thermogenese) im Körper auslöst.

Nachdem unter der Atkins-Diät lebensbedrohliche Übersäuerungen vorgekommen sind [246] und der Begründer selbst mit schwerem Übergewicht starb, sind ihre Risiken stärker in den Blickpunkt gerückt. Zum einen stellte sich heraus, dass bei der (vom Begründer als lebenslange Ernährung empfohlenen) Diät die Muskelmasse überproportional stark angegriffen wird [247]. Auch ist nicht bekannt, wie sich der höhere Eiweißgehalt der Nahrung langfristig auf die Nierenfunktion auswirkt. Ein Versuch an Mäusen legt zudem nahe, dass die kohlenhydratarme Ernährung das Risiko von Gefäßverkalkung deutlich erhöht.

Bewertung. Die Atkins-Diät ist von ihrer kurzfristigen Wirkung her den anderen Diäten vergleichbar, in den langfristigen Wirkungen aber überwiegen die Nachteile. Durch den weitgehenden Verzicht auf Obst und Gemüse ist die Diät nicht nur monoton, sondern auch ernährungsphysiologisch unsinnig, für Patienten mit Herz- bzw. Kreislauferkrankungen oder Gicht ist sie sogar gefährlich.

Weiterlesen:

Die wichtigsten Abnehm-Diäten im Überblick

Statt Diäten: Umstellen der Lebensgewohnheiten

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
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Krebs durch ungesunden Lebensstil

Etwa 2,4% der Krebsfälle in Deutschland werden auf den Genuss von rotem oder verarbeitetem Fleisch zurückgeführt.

Krebs durch ungesunden Lebensstil

Übergewicht und falsche Ernährung

Krebs ist in Deutschland die zweit häufigste Todesursache – nur an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben mehr Menschen. Viele dieser Krebserkrankungen ließen sich durch eine gesündere Ernährungsweise verhindern.

Innere und äußere Faktoren

Bei Krebs verlieren die Körperzellen die Kontrolle über ihr Wachstum und ihre Teilung. Grund dafür sind meist Veränderungen im Erbgut. Neben der inneren Veranlagung spielen auch äußerliche Einflüsse eine wichtige Rolle. So können UV-Strahlen Hautkrebs auslösen und das Einatmen chemischer Stoffe zu Lungenkrebs führen.

Einen besonders großen Einfluss auf die Entstehung von Krebs hat offenbar unser Lebensstil. Wissenschaftler*innen haben herausgefunden, dass knapp ein Fünftel der Krebsfälle in Deutschland durch Übergewicht und eine ungünstige Ernährung verursacht wird.

Wichtigster Faktor ist Übergewicht

Übergewicht schlägt dabei besonders zu Buche. Etwa 7% aller neuen Krebserkrankungen in Deutschland resultieren daraus. Ein Drittel der Endometriumkarzinome sowie jeweils ein Viertel der Leber- und Nierenkrebserkrankungen sollen durch Übergewicht und Adipositas ausgelöst werden.

Auf Alkohol lassen sich in Deutschland gut 2 % der Krebsfälle bei Männern und 0,7% bei Frauen zurückführen. Der höhere Anteil bei Männern ist mit ihrem höheren Alkoholkonsum zu erklären. Alkohol begünstigt vor allem Tumoren des Mund- und Rachenraums, Speiseröhrenkrebs, Dickdarmkrebs, Leberkrebs und Kehlkopfkrebs. Auch beim Brustkrebs der Frauen ist Alkohol beteiligt.

Magenkrebs durch zuviel Salz

Rotes und verarbeitetes Fleisch scheinen das Krebsrisiko ebenfalls zu erhöhen. Etwa 2,4 % der Krebsfälle sollen darauf zurückgehen, insbesondere jede zehnte Darmkrebserkrankung. Für Magenkrebs gilt wiederum Salz als Risikofaktor: In Deutschland führt man gut 8% aller Magenkrebsfälle auf einen überhöhten Salzkonsum zurück.

Milch hingegen hat widersprüchliche Effekte. Ein hoher Konsum von Milch und Milchprodukten soll zwar einen gewissen Schutz vor Darmkrebs ausüben – zugleich aber auch das Risiko für Prostatakrebs steigern.

Rotes Fleisch und Salz beschränken

Wie schützt man sich nun am besten vor Krebs, der durch Ernährung und Übergewicht begünstigt wird? Das Wichtigste ist ein gesundes Körpergewicht, d. h. ein BMI von 19 bis 25, sagen die Wissenschaftler*innen. Übergewichtige und Adipöse sollten deshalb versuchen, abzuspecken.

Auch die übrigen Empfehlungen sind eigentlich einfach: Möglichst keinen Alkohol trinken, wenig rotes und verarbeitetes Fleisch essen (laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung nicht mehr als 300 g Fleisch oder Wurst pro Woche) und die Salzzufuhr auf maximal 6 g Speisesalz (etwa 1 Teelöffel) pro Tag begrenzen.

Quelle: Springer Medizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / HoneyT / Alamy / Alamy Stock Photos