Gesundheit heute

Nebenschilddrüsen-Überfunktion

Nebenschilddrüsen-Überfunktion (Hyperparathyreoidismus, HPT): Gesteigerte Bildung von Parathormon, entweder durch eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüse (primärer Hyperparathyreoidismus, pHPT) oder durch einen Kalziummangel ausgelöste „reaktive“ Mehrproduktion von Parathormon (sekundärer Hyperparathyreoidismus, sHPT).

Kommt es im Verlauf eines sekundären Hyperparathyreodismus zu einer Hyperkalzämie spricht man von einem tertiären Hyperparathyreodismus (tHPT). Hier besteht ein Mißverhältnis zwischen Parathormonsekretion und Bedarf.

2013_GTV_Querschnitt_Nebenschilddruesen.png|Nebenschilddrüsen im Halsquerschnitt: Gut zu erkennen ist die Luftröhre in der Mitte, die von der Schilddrüse umschlossen wird. Die ganz kleinen Areale an den Ausläufern der Schilddrüse sind die Nebenschilddrüsen, auch Epithelkörperchen genannt ( Ansicht von vorne). Es gibt vier Nebenschilddrüsen, jede weizenkorngroß. Sie produzieren Parathormon (PTH). Zusammen mit dem Kalzitonin aus den C-Zellen der Schilddrüse und Vitamin D reguliert das Parathormon den Kalzium- und Phosphathaushalt. |[GTV 2013]|Anatomische Lage der Nebenschilddrüsen im Halsquerschnitt

Die Erkrankung

Der primäre Hyperparathyreoidismus ist durch eine übermäßige Produktion von Parathormon gekennzeichnet und wird z. B. durch gutartige Tumoren (Nebenschilddrüsenadenome) ausgelöst. Die Betroffenen leiden unter den Folgen des stark erhöhten Kalziumspiegels im Blut, so unter Nierensteinen („Steinpein“), Übelkeit („Magenpein“), Magengeschwüren und psychischen Beschwerden wie depressiver Verstimmung. Ferner verlieren die Knochen Kalzium, wodurch es zu Knochenschmerzen („Beinpein“, Osteomalazie) kommt, einhergehend mit Muskelschwäche und rascher Ermüdbarkeit.

Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist meist eine Begleiterkrankung eines fortgeschrittenen Nierenversagens. Die Übermenge an Parathormon zieht Kalzium aus den Knochen. Dies führt rasch zu einer Entkalkung der Knochen und längerfristig zum nachweisbaren Verlust von Knochensubstanz, zusätzlich noch verstärkt durch den Mangel an Vitamin D. Es kommt zu einer Mischung aus Osteoporose und Osteomalazie, was sich in Knochenschmerzen, „spontanen“ Knochenbrüchen und Muskelschwäche äußert – allerdings nur bei 10 % der Betroffenen. Die übrigen Beschwerden der primären Form treten bei der sekundären nicht auf, weil kein Überangebot an Kalzium im Blut besteht.

Das macht der Arzt

Primärer Hyperparathyreoidismus. Die Behandlung besteht in der operativen Entfernung der Nebenschilddrüsen. Typischerweise werden drei der vier Nebenschilddrüsen entfernt und von der vierten ein Rest belassen, der an einen leicht zugänglichen Ort verpflanzt wird (bei einem Rückfall ist eine Zweitoperation dann viel einfacher). Die Operation sollte frühzeitig erfolgen, damit bleibende Nierenschäden vermieden werden.

Sekundärer Hyperparathyreoidismus. Die Behandlung ist schwierig, wobei die Behandlung der Grunderkrankung bei der Therapie im Vordergrund steht.

Von: Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Vorsicht, gefälschte Abnehmspritzen

Wer Abnehmspritzen nimmt, sollte nur zu vom Arzt verordneteten Präparaten aus der Apotheke greifen.

Vorsicht, gefälschte Abnehmspritzen

Gefahr aus dem Internet

Abnehmen mit Abnehmspritzen wird immer populärer. So manch einer, der das Präparat nicht verschrieben bekommt, besorgt es sich im Internet. Doch Vorsicht, das kann gefährlich werden!

Abnehmspritzen sind verschreibungspflichtig

GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Liraglutid wurden eigentlich für die Behandlung von Typ-2-Diabetiker*innen entwickelt. Als sich herausstellte, dass die Medikamente auch beim Abnehmen helfen, wurden sie für Übergewichtige interessant. Zu Recht, denn durch das verstärkte Sättigungsgefühl führen sie ohne extreme Quälerei zu einer Gewichtabnahme von bis zu 15%.

Allerdings sind die Präparate verschreibungspflichtig und werden von der Ärzt*in nur unter bestimmten Voraussetzungen verordnet. Nicht jeder, der mit GLP-1-Rezeptoragonisten abnehmen möchte, kommt deshalb leicht an sie heran.

Schwarzmarkt im Internet

Ein Ausweg scheint das Internet zu sein. Über betrügerische Webseiten oder Social-Media-Kanäle werden die Abnehmspritzen als schnelle Hilfe angeboten. Und zwar in immer größerer Zahl: Laut europäischer Arzneimittelagentur (EMA) ist die Anzahl gefälschter Präparate wie Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid in den letzten Monaten stark angestiegen.

Doch die EMA warnt: Die beworbenen Produkte sind nicht zugelassen und entsprechen weder den erforderlichen Sicherheits- noch den Wirksamkeitsstandards. Manche Präparate enthalten gar keinen Wirkstoff, in anderen finden sich gefährliche Substanzen in nicht kontrollierten Mengen. Wer diese Mittel einnimmt, setzt sich großen Gesundheitsrisiken aus.

Fehlendes Logo und übertriebene Versprechen

Die europäischen Behörden überwachen den Markt und lassen entsprechende Webseiten sperren. Doch die Betrüger finden immer wieder neue Tricks, um an ihre Kunden zu kommen. Deshalb ist es wichtig, seriöse Online-Apotheken erkennen zu können. Dafür gibt es ein spezielles Logo, das auf den Webseiten aller registrierten Online-Apotheken erscheint. Mit einem Klick darauf gelangt man zu einem Register, in dem alle autorisierten Händler gelistet sind. Fehlt das Logo oder erscheint der Anbieter nicht im Register, handelt es sich um eine betrügerische oder illegale Quelle.

Doch es gibt noch mehr Alarmsignale für ein unseriöses oder gefälschtes Medikament. Verdächtig ist es z. B., wenn das Produkt 

  • als „offiziell empfohlen“ angepriesen wird,
  • das Logo der EMA oder anderer Behörden trägt, 
  • zugelassenen Therapien überlegen sein soll,
  • auf Social-Media-Plattformen beworben wird oder 
  • in offiziellen Apotheken nicht verfügbar ist.

Abnehmspritzen nicht ohne Ärzt*in verwenden

Zudem sollte eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten oder anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Gewichtsabnahme immer unter ärztlicher Aufsicht stattfinden. Die hochwirksamen Arzneimittel können nicht nur Nebenwirkungen auslösen. Bei einigen Begleiterkrankungen wie Leber- oder Niereninsuffizienz oder vorangegangener Pankreatitis können die Substanzen sogar gefährlich werden, ihre Verwendung ist in diesen Fällen kontraindiziert.

Quelle:medscape

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Iuliia Nemchinova / Alamy / Alamy Stock Photos