Gesundheit heute

Diagnostische Methoden in der Endokrinologie

Die endokrinologische Diagnostik beginnt schon beim Eintreten in das Untersuchungszimmer: Gangbild, Körperhaltung und die äußere Erscheinung geben dem Arzt erste Hinweise auf eine hormonelle Störung. Im Arzt-Patienten-Gespräch erhärten die geschilderten Beschwerden und gezielte Fragen des Arztes den Verdacht einer Erkrankung der Hormondrüsen oder des Stoffwechsels. Der Beweis einer hormonellen Störung wird mit Blutuntersuchungen erbracht, in denen die Hormonspiegel gemessen werden.

Das Hormonsystem basiert auf Regelkreisen mit negativer Rückkopplung („je mehr umso weniger“ und „je weniger umso mehr“). Bei Verdacht auf eine Hormonstörung überprüft der Arzt die regelrechte Funktion dieser Regelkreise mit einem hormonellen Funktionstest.Bei der Schilddrüse funktioniert dieser z. B. so: Der Arzt spritzt dem Patienten TRH (Thyreotropin Releasinghormon) direkt ins Blut, was die Hypophyse dazu auffordert, TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) auszuschütten, wobei diese Mehrausschüttung im Blut nachweisbar ist. Bleibt sie aus, muss die Hypophyse geschädigt sein. (Die in der Abbildung vorkommenden und hier genannten Abkürzungen sind entweder nachfolgend im Text erläutert oder in der Übersicht der Geschlechtshormone).
Copyright: www.salevent.de, Michael Amarotico, München

Darüber hinaus sind oft hormonelle Funktionstests (hormonelle Stimulations- oder Hemmtests) notwendig. Sie zeigen, ob sich die Hormonausschüttung steigern lässt, wenn der Patient Steuerhormone gespritzt bekommt. So überprüft der Arzt, ob die hormonellen Regelkreise intakt sind.

Stehen Organe unter Krankheitsverdacht, wird mit Untersuchungsverfahren wie Ultraschall, CT oder Kernspin die Organstruktur untersucht. Hiermit können Gewebeveränderungen oder Vergrößerungen der Organe nachgewiesen werden. Bei Krebsverdacht wird per Biopsie etwas Gewebe entnommen und dann untersucht. Eine solche Biopsie ist zum Beispiel bei Schilddrüsenerkrankungen einfach und so gut wie schmerzfrei durchführbar.

Von: Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski

Neben Kalorienreduktion ist Bewegung das A und O beim Abnehmen.

Tägliche Spritze senkt Gewicht

Extremes Übergewicht?

Abnehmen ist eine Herkulesaufgabe – besonders für schwer Übergewichtige. Doch eine tägliche Spritze unter die Haut kann ihnen dabei helfen. Und zwar ebenso gut wie eine Magenoperation.

Senkt Blutzucker und Gewicht

Eine einfache Spritze gegen das Übergewicht? Inkretinmimetika sollen es möglich machen. Diese Stoffgruppe wurde eigentlich zur Behandlung des Diabetes entwickelt. Denn sie imitieren die Wirkung von Insulin, also dem Hormon, das beim Typ-1-Diabetes fehlt. Und dabei senken sie offenbar nicht nur den Blutzucker, sondern auch das Gewicht, wie verschiedene Diabetesstudien andeuten.

Gut untersucht ist das z. B. beim Inkretinmimetikum Liraglutid. In vier großen Studien mit über 5000 schwer übergewichtigen Teilnehmer*innen sollten sich alle zunächst mindestens 100 Minuten/Woche mäßig intensiv bewegen (zum Beispiel durch zügiges Gehen). Das Bewegungsprogramm wurde wöchentlich um 25 Minuten bis auf 250 Minuten/Woche gesteigert. Außerdem begrenzte man die tägliche Kalorienzufuhr, je nach Gewicht auf 1200 bis 1800 Kalorien/Tag. Die Hälfte der Schwergewichtler*innen spritzte sich täglich subkutan das Inkretinmimetikum Liraglutid, die andere bekam ein Placebo.

Bis zu 8 Kilo Gewichtsverlust

Das Inkretinmimetikum zahlte sich aus: Die damit behandelten Patient*innen nahmen um 4% mehr ab als die Übergewichtigen der Placebogruppe. Auch in anderen Untersuchungen ließ Liraglutid die Pfunde schmelzen, z.T. um durchschnittlich bis zu 8 kg. Dabei war der Gewichtsverlust verbunden mit verbesserten Blutdruckwerten und Blutfetten.

Allerdings droht nach dem Absetzen des Medikaments ein Rebound, d.h., die Gewichtskurve steigt wieder an. Um dem vorzubeugen, empfehlen Expert*innen, von vorneherein den Lebensstil nachhaltig zu ändern und dies auch nach Absetzen des Wirkstoffs beizubehalten.

Für Kostenerstattung individueller Antrag nötig

Zugelassen ist Liraglutid als ergänzende Therapie zu Diät und verstärkter körperlicher Betätigung für Erwachsene mit einemBody Mass Index (BMI) ≥ 30 oder einem BMI ≥ 27, wenn eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt. Dazu gehören beispielsweise Hypertonie, Fettstoffwechselstörung, Diabetes oder obstruktive Schlafapnoe. Die Kassen übernehmen die Kosten – jedoch nur nach individueller Prüfung und auf speziellen, medizinisch begründeten Antrag.

Quelle: Ärzteblatt

01.12.2021 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: xNomadSoulx Panthermedia/imago-images.de